Märkische Leselust

Ab Januar 2020 gehört die beliebte Lesereihe, die sich 2019 ausschließlich Theodor Fontane widmete, wieder unterschiedlichen Autor*en, die sich mit der Geschichte Potsdams, Berlins oder der märkischen Umgebung beschäftigten, Land und Leute sowie skurrile Begebenheiten und originelle Köpfe beschrieben.

Unter der künstlerischen Leitung (und oft auch Mitwirkung) des Schauspielers und Literaturkenners Hans-Jochen Röhrig, viele Jahre festes Ensemblemitglied des Hans Otto Theaters, kommen sowohl bekannte, neu zu entdeckende als auch zeitgenössische Texte zum Vortrag. Es lesen Schauspieler*innen des Hans Otto Theaters.

Märkische Leselust

Regina Scheer
Machandel
1985 entdeckt die junge Berlinerin Clara für sich das mecklenburgische Dorf Machandel wieder, das für sie zum Ort der Begegnung mit der Vergangenheit wird. Hier war ihre Mutter auf der Flucht aus Ostpreußen untergekommen. Hier hatte ihr Vater, ein überzeugter Kommunist, nach seinem KZ-Aufenthalt Unterschlupf gefunden. Später macht der Vater Karriere als SED-Parteifunktionär. Der Sohn aber wird in den Westen ausreisen.  – In ihrem Debütroman spannt Regina Scheer den erzählerischen Bogen vom Zweiten Weltkrieg über den Anfang der DDR bis zum Mauerfall und in unsere Gegenwart und verknüpft dabei sinnbildhaft die Märchenwelt vom „Machandelbaum“ eng mit der Realität bewegender ostdeutscher Lebensgeschichten.
„Ich sah mein schönstes Brüderlein,
ein buntig, artig Vögelein.
Es hüpfte im Machandelbaum.
Ich warf’s mit meinem Ringelten …
Mein Ringelein, mein Brüderlein sind ewig fort,
adie, adie, adie.“ 
(Gesang einer alten Frau in Burg Schlitz im Roman „Machandelbaum“)
MIT Rita Feldmeier
FLÖTE Bettina Lange KLAVIER Rita Herzog
LEITUNG und EINFÜHRUNG Hans-Jochen Röhrig
AUSSTATTUNG Sabine Kassebaum
12-JAN-2020 IN BRANDENBURG
Hans Fallada
Damals bei uns daheim
Hans Fallada (eigentlich Rudolf Dietzen), der von 1893 bis 1947 gelebt hat, blickt 1941 auf seine auch sehr bewegte Kinder- und Jugendzeit zurück. Ein feiner Humor durchdringt seine Beschreibungen und übertüncht scheinbar die frühen Katastrophen des häufig kranken, psychisch labilen Jungen und seine Außenseiterrolle. Erlebtes, Erfahrenes und Erfundenes erzählt Fallada mit schriftstellerischem Geschick, so wie ihn seine Leser aus seinen wunderbaren Romanen kennen.
„Liebe Verwandtschaft! So habe ich die Eltern gesehen, so die Geschwister, so die ganze Verwandtschaft! Ihr seht sie anders? Geschwind, schreibt euer Buch. Meines bleibt mir darum doch lieb – als Gruß an die vergangenen Gärten der Kinderzeit.“ (Fallada)
MIT Hans-Jochen Röhrig
KLAVIER Rita Herzog
EINFÜHRUNG Dr. Peter Walther, Autor der beim Aufbauverlag erschienenen Fallada-Biographie
19-JAN-2020 in Potsdam / 23-FEB-2020 in Brandenburg
Gunter Kunert
Die zweite Frau
Günter Kunert (1929-2019), bedeutsamer Lyriker, Hörspiel- und Romanautor, wurde in Berlin geboren. In den 1960er Jahre geriet er zunehmend in Konflikt mit den DDR-Behörden und siedelte 1979 in die Bundesrepublik über. Kurz vor seinem Tod entdeckte er sein 45 Jahre altes Manuskript der „Zweiten Frau“ wieder, dessen Veröffentlichung er damals aus politischen Gründen für unmöglich hielt. Erst 2019 also erschien diese bissige Geschichte, die ziemlich böse die Alltagswirklichkeit wiedergibt, nicht ohne hintergründigen Humor!
MIT Nadine NollauJon-Kaare Koppe
SCHLAGWERK Friedemann Werzlau
LEITUNG & EINFÜHRUNG Hans-Jochen Röhrig
AUSSTATTUNG Sabine Kassebaum
23-FEB-2020 in Potsdam / 22-MÄRZ-2020 in Brandenburg
Kathrin Gerlof
Nenn mich November
In Berlin war es nicht mehr auszuhalten. Marthe und David scheiterten dabei, nach Kündigungen und Firmengründung wieder auf die Beine zu kommen. Der Geldautomat zog die Karte ein, der Besitz schrumpfte aufs Unverkäufliche und Nicht-Pfändbare zusammen. Weil David in einem Dorf ein altes Haus geerbt hatte, konnten sie dahin umziehen. Von diesem Neubeginn handelt der Roman „Nenn mich November“ von Kathrin Gerlof.
Neu muss nicht gut heißen. Es ist kein optimistisches Buch. Aber es ist ein Buch, das mit seiner zuweilen irritierend assoziationsreichen Sprache, mit dem Blick aus dem Dorf in die Welt eine intensive Beteiligung des Lesers erreicht. Man kann nicht unberührt bleiben davon, nicht nur wegen der erzählten Schicksale, sondern vor allem wegen der Art und Weise, wie Gerlof schreibt. (Berliner Zeitung)
MIT Bettina Riebesel, Jörg Dathe
AKKORDEON Melanie Barth
29-MÄRZ-2020
Georg Hermann
Kubinke
Der Friseurgehilfe Emil Kubinke ist ein stiller und unauffälliger Mensch, der von sich sagt, er sei nicht stark genug, nicht roh genug für dieses Berlin des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Und nun erzählt Herrmann, wie dieser sanfte und liebeshungrige Kubinke zwischen drei Dienstmädchen sich nicht entscheiden kann, wie er sich endlich mit der rotblonden Pauline mit den Rehaugen verlobt und am Horizont ein bescheidenes Glück erscheint, er dann aber von den beiden anderen Mädchen auf Alimente verklagt wird und das geht ihm sehr nahe…
Eine pralle Berliner Geschichte, mit Schlagereinlagen der mitwirkenden Damen (auch der Pianistin und Cellistin!), insgesamt keineswegs so traurig wie das Ende.
MIT Ulrike Beerbaum, Nadine Nollau und David Hörning
VIOLONCELLO Gisela Richter
KLAVIER Rita Herzog
26-APRIL-2020 in Postdam / 3-MAI-2020 in Brandenburg