Brandenburger Dialoge

Lesungen, Gespräche und Preisverleihung
Der vom Hans Otto Theater ausgelobte Wettbewerb „Brandenburger Dialoge“ will in Zeiten der sozialen und normativen Spaltung zum Brückenschlag zwischen Andersdenkenden einladen. Eine Jury, der die Schauspielerin Rita Feldmeier, der Publizist und Autor Martin Ahrends, der Autor, Regisseur und Professor für Dramaturgie Torsten Schulz sowie die Potsdamer Chefdramaturgin Bettina Jantzen angehören, hat aus den 47 eingereichten Texten sieben Preisträger*innen nominiert, denen an diesem Abend das Preisgeld überreicht wird. Neben der Vorstellung und Gesprächen mit den Autor*innen stellen Ensemblemitglieder des Hans Otto Theaters die prämierten Texte vor und laden zu einem Dialog darüber ein.

ZU DEN TEXTEN
Die preisgekrönten Dialoge rücken diverse Themen ins Zentrum. Dabei zeichnet Andrea Czesienski in „Fichtenringer“ filigrane Porträts von Menschen aus Brandenburg, die nicht zu den Gewinnern des kapitalistischen Systems zählen. In „Kriegskinder“ von Roland Schulz versucht der Sohn vergeblich, einem Kriegstrauma des eigenen Vaters auf die Spur zu kommen. Jessica Schmidt-Kurschat beschreibt in „Chester“ eine durch Ängste in der Pandemie entstandene Entfremdung eines Paares. Mit „Sprachlos“ treibt Anke Reimann das Bestreben nach politisch-korrekter Sprache auf die Spitze, und Kena Hüsers entwirft einen satirisch-skurrilen Chat-Dialog unter dem Titel „Angriff aus dem Netz“. Julia Schoch setzt mit „Große Stille, noch leiser“ auf philosophische wie absurde Weise eine Trennungssituation in Szene. Und Matthias Heine findet in „Ich habe den fliegen sehen“ Worte für ein vielstimmig wucherndes Gerücht, zu dessen Ausgangspunkt ein gesellschaftlicher Außenseiter wird. Die vom Hans Otto Theater gestifteten Preisgelder sollen Autor*innen aus dem Land Brandenburg unterstützen und für ihre weitere Arbeit ermutigen.

DIE PREISTRÄGER*INNEN
Folgende Autor*innen werden für ihre Texte mit je 700 Euro Preisgeld ausgezeichnet:

Roland Schulz (Alt-Galow) – für „Kriegskinder“
Matthias Heine (Cottbus) – für „Ich hab den fliegen sehen“
Andrea Madeleine Czesienski (Fichtenwalde) – für „Fichtenringer“
Anke Reimann (Michendorf) – für „Sprachlos“
Julia Schoch (Potsdam) – für „Große Stille, noch leiser“
Jessica Schmidt-Kurschat (Kleinmachnow) – für „Chester“
Kena Hüsers (Angermünde) – für „Angriff aus dem Netz“

Einen Förderpreis des Förderkreises des Hans Otto Theaters in Höhe von je 350 Euro erhalten:

Matthias Körner (Drebkau) – für „Brandenburger Horizonte“
Matthias Heine (Cottbus) – für „Inge“
BIOGRAFIEN

Andrea Czesienski, geboren 1956, ist eine waschechte Berlinerin. Aufgewachsen in Berlin-Lichtenberg. Nach dem Abitur studiert sie Germanistik an der Humboldt-Universität, arbeitet als Hörspieldramaturgin beim Rundfunk, als Verlagslektorin und freiberufliche Autorin. Sie schreibt Hörspiele, Märchen für Schallplatten und Theaterstücke für Kinder und Erwachsene. Ab 1993 arbeitet sie als Lektorin und Dramaturgin beim henschel SCHAUSPIEL Theaterverlag. Nebenbei entstehen zahlreiche Hörspielbearbeitungen. Sie lebt und arbeitet in Berlin und in Brandenburg, nahe Beelitz-Heilstätten, tief im Wald.

Matthias Heine wurde 1979 in Cottbus geboren. Nach dem Abitur studierte er Sozialpädagogik und Kulturmanagement. Der stellvertretende Theaterleiter des Piccolo Theaters Cottbus arbeitet dort als Theaterpädagoge, Schauspieler und Regisseur. Den Jugendklub des Hauses leitet er seit 15 Jahren und erhielt in dieser Tätigkeit drei Mal den Deutsche Amateurtheaterpreis, 2012 den Brandenburger Jugendkulturpreis und zuletzt 2019 den Theaterpreis des Bundes (für das Piccolo Theater und die Inszenierung „KRG.“). Außerdem wurde er mit verschiedenen Arbeiten zum Bundestreffen Jugendclubs an Theatern und zum Theatertreffen der Jugend (Berliner Festspiele) eingeladen. Heine ist außerdem zusammen mit Udo Tiffert und Daniel Ratthei Stammautor der von ihm und Tiffert 2009 gegründeten Lesebühne Cottbus. Hier treffen die Autorinnen und Autoren jeden Monat auf ein treues Publikum. Für die Lesebühne und das Piccolo Theater entstehen die meisten seiner Texte. Matthias Heine ist Vater einer zweijährigen Tochter.

Kena Hüsers 2021 erschien mein Kinderbuch „Mellis Abenteuer – Bosse und der starke Opa“. Für das Mädchen-Tanztheater der Musik- und Kunstschule von Reedern schrieb ich die Textszenen für "Good Night Stories for Rebel Girls". 2019 war ich Kultur-Botschafterin für pro agro, Organisatorin der ersten „Woche der Sprache und des Lesens“ in Angermünde und mein Krimi „Tödliches Insulin“ wurde für den 1. Regionalkrimi-Wettbewerb der Uckermark nominiert. Mein Kinderbuch „Miela vom Feld“ erschien ebenfalls 2019. 2018 gewann ich mit „Die Christanje“ den Ehm Welk-Literaturpreis und schrieb für Angermünde Szenen für eine historische Theaterstadtführung bei der ich als Magd Elsbeth mitwirke. 2018 erschien mein Roman „Postfaktisch bin ich ne Niete“. 2016 hatte mein plattdeutsches Laien-Theaterstück „Lecker Norddüütsch“ Premiere im Berliner ZentralTheater im Kreativhaus . 2015 veröffentlichte ich meinen Roman „Mondrausch“. 2014 und 2016 erschienen zwei meiner plattdeutschen Kurzgeschichten im "Quickborn". Meine Vielseitigkeit spiegelt sich in meinen Büchern wider. Ich möchte mich nicht für ein Genre entscheiden, weil ich mich auch in meinem Leben nie für einen Weg entschieden habe. So bin ich auch als Malerin, die ihre eigenen Farben aus der Natur gewinnt, unterwegs, spiele Theater, treibe Sport, braue mit meinem Mann Bier und übe mich (kläglich) im Spiel der Handpan.

Matthias Körner Abschluss eines Landwirtschaftsstudiums an der Humboldt Universität Berlin als Diplomagraringenieur, später Studium am Literaturinstitut Leipzig. Romane, Erzählungen, Drehbücher, Hörspiele, Theaterstücke, Sachbücher, Herausgabe, Feature. (Zu Roman und Erzählung Drehbücher von Ulrich Plenzdorf). Zuletzt „Hottas Welt“, Anthologie Verlag Berlin Brandenburg 2021, „Zukunft Gartenstadt“, Feature MDR 2021. Mitglied im PEN und VS.

Anke Reimann kam in Leipzig zur Welt und wuchs im Westteil der Stadt auf. 1989 lernte sie ihren zukünftigen Mann kennen, bestand die Abiturprüfungen und war am 9. Oktober Teil der vielentscheidenden Leipziger Montagsdemonstration. Sie lebte danach etwa 20 Jahre lang im Harz, arbeitete als Lokalredakteurin, freiberufliche Sachbuchautorin und Illustratorin, ist Mutter eines inzwischen erwachsenen Kindes. Mit ihrer Familie zog sie vor acht Jahren nach Michendorf bei Potsdam, gründete einen Verlag und publiziert seitdem Bücher für Vor- und Grundschulkinder. Sie schreibt eigene Lieder, macht Musik und tritt damit vor Publikum auf.

Jessica Schmidt-Kurschat Ich wurde am 4. Dezember 1966 in Berlin-Neukölln geboren.
Neukölln erscheint mir wichtig, weil meine frühe Büchersucht der Tristesse dieses Bezirkes geschuldet ist. Ich las als Kind wirklich alles, was mir zwischen die Finger kam, vom Groschenroman meiner Oma bis zu „Krieg und Frieden“. Die Besessenheit von fiktiven Welten führte dann unweigerlich zum Schreiben. Mit elf Jahren verfasste ich erste Geschichten, eine wurde in der Kinderzeitschrift Yps veröffentlicht, später folgten neben Kurzprosa auch Gedichte. Nach dem Abitur studierte ich Humanmedizin an der FU Berlin. Ich arbeitete als Ärztin in Berlin, Brandenburg und Dallas, Texas. Seit 2004 bin ich als Hausärztin in Teltow niedergelassen. Hier spielt auch mein erster Roman, „Zwischen den Jahren“, ein weihnachtliches Familiendrama über die dunklen Machtkämpfe zwischen Mann und Frau. 2020 veröffentlichte ich den Roman im Selfpublishing auf Amazon. Ich bin Mutter zweier Kinder und lebe mit meinem Mann in Kleinmachnow.

Julia Schoch, geboren 1974, wuchs in Mecklenburg auf. Sie studierte Literatur in Potsdam, Paris und Bukarest. Sie lebt seit 2003 als Schriftstellerin und Übersetzerin in Potsdam und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Preis der Jury beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb und den André-Gide-Preis. Zuletzt erschien ihr Roman „Schöne Seelen und Komplizen“ bei Piper. Ihr Theaterstück „Die Jury tagt“ wurde 2020 am Hans Otto Theater uraufgeführt. Demnächst erscheint „Das Vorkommnis. Biografie einer Frau I“ (Roman) bei dtv.

Roland Schulz Journalist und Diplom-Forstwirt. Geboren 1960 in Crailsheim. Preise: Oktober 2016 Ehm-Welk-Literaturpreis des Landkreises Uckermark für die Erzählung „Der gebrochene Deich“. Publizierte Bücher: „Wildes Leben am großen Strom“ (2019), „Grumsin – Weltnaturerbe“ (2017) als Koautor, „Mein Grumsin“ (2014), „Der Grumsin“ (2012), Geisel-Luthardt-Schulz, „Buchenwald im Wandel der Zeit“. Arbeitsleben ab 2001: seit April 2018 freier Journalist, Buchautor und Naturführer.
Leitung Bettina Jantzen

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