Grenzerfahrung

Begehbare Installationen, Lesungen & Songs zum 30. Jahrestag des Mauerfalls
Aufwühlend und höchst widersprüchlich wurde sie erlebt, die Friedliche Revolution im Herbst 1989. Am 9. November ermöglicht das Hans Otto Theater in performativen, szenischen und musikalischen Installationen unterschiedlichste Perspektiven rund um das historische Ereignis. Erinnerungen Potsdamer Zeitzeug*innen, die der Publizist und Autor Martin Ahrends in den vergangenen 30 Jahren gesammelt hat, werden erweitert durch Songs aus der Wendezeit. Auszüge aus Reden, gehalten auf der Demonstration am 4. November 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz, stehen im Kontrast zu nahezu zeitgleichen Verlautbarungen aus dem Zentralkomitee der SED. Texte von Ralf-Günter Krolkiewicz, eines Opfers der SED-Diktatur, sowie ein brisantes Interview mit Heiner Müller sind ebenso zu hören wie konträre Statements aus Ost und West.

Dieser Abend hat zwei Teile. Im ersten dürfen Sie sich vom Zufall überraschen lassen, ob Sie vor oder hinter dem Eisernen Vorhang ihre Erfahrungen machen – Sie erleben jeweils Unterschiedliches. Im zweiten Teil vereinigt sich das bis dahin geteilte Publikum und Jürgen Kuttner startet seine Show, den brandaktuellen, zwerchfellerschütternden Videoschnipselvortrag „Krenz-Erfahrungen. Die DDR schaut in den Spiegel.“ Davor, dazwischen und danach ist die Bar im Foyer offen und die Video- und Audio-Installation „Revolutionen“ von Tatjana Živanović-Wegele lädt zum Austausch ein.

MIT Joachim Berger, Jörg Dathe, Jon-Kaare Koppe, Arne Lenk, Philipp Mauritz, Franziska Melzer, Kristin Muthwill, Nadine Nollau, Hannes Schumacher, René Schwittay, Paul Sies, Henning Strübbe, Alina Wolff, Katja Zinsmeister und der Bürgerbühne des Hans Otto Theaters sowie Jürgen Kuttner


SZENISCHE REALISIERUNG Natalie Driemeyer, Alexandra Engelmann, Carola Gerbert, Manuela Gerlach, Christopher Hanf, Bettina Jantzen, Oliver Toktasch BÜHNEN & KOSTÜME Matthias Müller

Gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Was ist eigentlich ein Videoschnipselvortrag?

Diese Show läuft seit 1996 in immer derselben Besetzung. Ein Mann, ein Mikro, eine Leinwand – mehr nicht. Und doch ist sie jedesmal neu. Kein Abend gleicht dem anderen, jeder steht für sich allein. Doch was verbirgt sich hinter der bescheiden „Videoschnipselvortrag“ betitelten Bühnendarbietung? An dieser Stelle könnte man die FAZ zitieren, die launisch bemerkt: „Kuttner beweist mit jedem Auftritt, dass man berlinernd zehnmal schneller denken und sprechen kann als nicht berlinernd.“ Es ginge natürlich auch die Berliner Zeitung, die von Abenden berichtet, an denen mit großer Verlässlichkeit verwirrende und erhellende Assoziationsketten ausgelöst werden. Oder den Tagesspiegel, der Jürgen Kuttner einen der „letzten Radikalaufklärer der Gegenwart“ nennt. Man kann es aber auch lassen und ganz nüchtern anmerken, dass der promovierte Kulturwissenschaftler Jürgen Kuttner in seinen Videoschnipselvorträgen unter Zuhilfenahme einiger gut abgehangener Fernsehausschnitte brandaktuelle gesellschaftliche Zustandsbeschreibungen abliefert. Was jetzt wiederum etwas betulich klingt und unterschlägt, dass diese Abende bei den meisten Zuschauer*innen nicht nur die politisch-moralischen Grundfesten, sondern auch das Zwerchfell schwerstens erschüttern.
Jürgen Kuttner

Termine

https://www.hansottotheater.de/ Hans Otto Theater Schiffbauergasse 11, 14467 Potsdam

19:30 Großes Haus
Karten