In emotionalen Turbulenzen – Gedanken zum Stück

Plötzlich ist sie da: die Liebe. Unvermittelt wie ein Blitz aus heiterem Himmel fährt sie mitten hinein in die Figuren, um deren ganzes Denken und Fühlen zu bestimmen. Diese Faszination auf den ersten Blick erfolgt ohne psychologische Herleitung, ist irrational, maßlos, komisch. Die Figuren begegnen uns in diesem Stück insgesamt nicht als konsistente Charaktere, sondern als reichlich unberechenbar, als Spielball verschiedenster Leidenschaften. Von einem Augenblick auf den anderen kann es in ihnen zu überraschenden emotionalen Turbulenzen und Umschwüngen kommen, so dass sie plötzlich ganz neue Seiten ihrer Persönlichkeit an den Tag legen.
Die Wandelbarkeit und charakterliche Instabilität der Figuren wird insbesondere dadurch augenscheinlich, dass Shakespeare in dieser Komödie das Motiv des Schauspielens zu einem zentralen Element des Geschehens macht. Immer wieder wird hier Theater im Theater gespielt: Personen verkleiden sich, stellen jemand anderes dar, treten als Zuschauer*innen auf. Es gibt Gesangseinlagen, lyrische Darbietungen, kabarettartige Nummern und Action-Szenen. So zeichnet das Stück eine Welt, die ganz aus Spiel, Illusion und Täuschung besteht. Der melancholische Edelmann Jaques setzt dieses Bild von Welt metaphorisch mit seiner Sicht auf die Wirklichkeit gleich und bezieht daraus eine gute Prise Weltschmerz. Rosalinde dagegen empfindet die Möglichkeit eines spielerischen Umgangs mit der Realität als befreiend. Sie begreift es als eine bereichernde Erweiterung ihrer Existenz, sich selbst in einer anderen Rolle auszuprobieren und in der männlichen Maskerade Geschlechterklischees zu erkunden. In ihrem Agieren kommt so ein Plädoyer gegen identitär betonierte Festlegungen zum Ausdruck.
Das Theater-Motiv begegnet uns aber nicht nur in vielen Situationen und Metaphern im Stück, sondern auch bereits in der Grundanlage seines Personals, besteht dieses doch aus literarisch konstruierten Kunstfiguren. Shakespeare hat Handlung und Charaktere aus dem zu seiner Zeit höchst populären Schäferroman „Rosalynde. Eupheus’ goldenes Vermächtnis“ von Thomas Lodge übernommen. Während seine Vorlage aber sentimentale Höflinge und entflammte Schäfer*innen in einer rührseligen Schmachtstory zusammenbringt, verwandelt Shakespeare die Geschichte in ein doppelbödiges Spiel, das einerseits parodistisch-witzig den Gefühlskitsch des Schäferromans aufs Korn nimmt, andererseits aber auch die verschiedenen Liebesmöglichkeiten der Menschen wie in einem Prisma auffächert und dabei typische Rollenmuster auf komische Weise entlarvt. Die emotionalen Verwicklungen seiner Figuren wirken sowohl lächerlich als auch anrührend, erscheinen folglich in bezeichnender Ambivalenz – alles eine Frage der Perspektive.
So besteht Shakespeares poetisches Programm der Vielstimmigkeit darin, unterschiedliche Perspektiven nebeneinander und nicht gegeneinander zu stellen. In diesem Sinne bietet das Stück einen Möglichkeitsraum für Schauspieler*innen, die sich offensiv als Schauspieler*innen outen, „die ihre Kunst und ihre Tricks vorzeigen: Wie man aus sich selbst eine andere Figur macht, wie man Rollen ablegt oder wechselt, wie man in einer Rolle drinsteckt und zugleich danebensteht, wie man selber Spaß hat am Theaterspielen und wie man anderen damit Spaß macht“ (Ulrich Suerbaum).

Christopher Hanf

„Das macht ungeheuer Spaß“

Regisseur Marc Becker über Shakespeares Wie es euch gefällt, den Reiz von Open-Air-Theater und den spielerischen Kern seiner Inszenierung
Charlott Lehmann (Rosalinde) und Arne Lenk (Orlando) in "Wie es euch gefällt"
Marc Becker arbeitete als Animateur und Spaßkellner, bevor er vor 25 Jahren seine „seriöse“ Theaterkarriere als Autor und Regisseur startete. Studiert hat er auch – und zwar gleich sechs Fächer (unter anderem Theaterwissenschaften und Neuere Deutsche Literaturgeschichte). Vor den Proben zu „Wie es euch gefällt“ joggte der Werder-BremenFan täglich eine Runde durch den Neuen Garten. In einer Inszenierungspause nahm er sich Zeit für ein Interview.

Du bist ein überaus fleißiger Autor und Regisseur, schreibst und inszenierst um die Wette, so könnte man als Betrachter von außen meinen. Woher kommt diese kreative Dauer-Power bei dir?
Marc Becker: Schon während des Studiums habe ich angefangen, mich für das Schreiben zu interessieren und meine ersten Stücke verfasst. Dann bin ich über das Studententheater und einen glücklichen Kontakt zum damaligen Intendanten des Theaters Erlangen beim Verlag der Autoren gelandet. Er hatte mich um einen Text gebeten, fand ihn großartig und schickte ihn an den Verlag. Ein paar Wochen später bekam ich Post von dort und wurde gefragt, ob ich fortan vom Verlag vertreten werden möchte. Seither bin ich am Schreiben und Inszenieren. Ich empfinde es als Luxus, beides zu tun, weil ich dadurch immer wieder einen Ausgleich habe.

Was war das für ein Text, der dir 1999 das Tor zum Verlag der Autoren geöffnet hat?
Becker: Das war „U. S. Amok“, ein Stück über Ted Kaczynski, den „Unabomber“.

Zuletzt hast du vor allem Stücke für Kinder und Jugendliche geschrieben, kürzlich wurde „Der Hase in der Vase“ zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen – eine Art Ritterschlag für den Autor. Worum geht es da oder anders gefragt: Was macht der Hase in der Vase?
Becker: Das Stück ist inspiriert von „Relâche – Heute keine Vorstellung“, einem Dada-Ballett von Francis Picabia und Erik Satie. „Der Hase in der Vase“ beginnt mit einem Feuerwehrmann, der auf die Bühne kommt und erklärt, er könne nicht garantieren, dass die Vorstellung stattfindet, weil der Hase bisher nicht aufgetaucht ist. Und dann passieren lauter skurrile Dinge – ein Stuhl bricht zusammen, Dinge fallen von der Wand usw. Bis ganz am Ende doch noch ein Hase erscheint.

Am Hans Otto Theater hast du bisher „Viel gut essen“ von Sibylle Berg und „Die Mitwisser“ von Philipp Löhle inszeniert, beides in der Reithalle. Jetzt zur Abwechslung mal eine Shakespeare-Komödie unter freiem Himmel. Was reizt dich daran?
Becker: Vor allem das Open-Air-Spektakel, weil da natürlich ganz andere Sachen gefordert sind. Ich habe lange Zeit keinen Shakespeare mehr inszeniert, und es ist einfach toll, jetzt die Möglichkeit zu haben, sich daran abzuarbeiten. Noch dazu an einer Komödie, die ich eigentlich als sehr schwer erachte, die aber extrem viele Spielmöglichkeiten bietet. Was gefällt dir am besten in „Wie es euch gefällt“? Becker: Die unglaubliche Vielfalt im Blick auf die Liebe. Es geht ja um alle möglichen Spielarten der Liebe: die poetische, die berechnende, die sado-masochistische, die körperliche Liebe, die möglichst gleich erfüllt werden soll etc. Gleichzeitig haben wir eine permanente Bespiegelung von Gegensätzen: Es gibt einen StadtLand-Konflikt im Stück, ebenso Mann-Frau, wir haben Identitätssuche als Thema und die Suche nach dem guten Leben. Die Charaktere sind nicht komplett durchdekliniert, sondern wir sind aufgefordert, sie mit Sinn und weiteren Attributen zu füllen. Man kann vieles dazudenken und weiterentwickeln. Das macht ungeheuer Spaß.

Das Etikett „Sommertheater“ verspricht zunächst einmal gute Unterhaltung, und es geht ja teilweise ziemlich albern zu im Wald von Arden. Aber das Stück ist auch vielschichtig und stellenweise krude. Wie packst du diesen nicht ganz einfachen Shakespeare an?
Becker: Das Stück basiert ja auf dem Schäferroman „Rosalind“ von Thomas Lodge. Den kannte damals fast jeder. Shakespeare hat diesen Plot mit zwei Narrenfiguren kombiniert und so etwas ganz Neues kreiert. Er ironisiert das Schäferleben, geht aber auch weit darüber hinaus und bietet so die Möglichkeit, frei zu assoziieren. Es gibt Momente, die durchaus ins Alberne abgleiten können, die aber trotzdem eine Wahrheit und einen Schmerz dahinter brauchen, damit sie auf der Bühne funktionieren. Das interessiert mich, zu gucken: Wie ist das, wenn man auf der Bühne ganz, ganz ernsthaft mit großen Gefühlen umgeht, die uns ja manchmal selbst umtreiben?

„Die ganze Welt ist eine Bühne“ stand als Motto über Shakespeares Globe Theater. Machst du es dir als Regisseur ebenfalls zu eigen?
Becker: Auf jeden Fall, weil die Spielebene – das Spiel im Spiel – extrem wichtig ist. Jeder spielt im Leben seine Rollen, nimmt eine Rolle an, setzt sich damit auseinander, kann sie aber auch brechen. Das passiert ständig. Wir haben es noch verstärkt, indem wir den Spielvorgang zeigen. Jemand entscheidet zum Beispiel: „Jetzt spiele ich die Szene mal so, dann ziehe ich mich um und spiele sie anders!“ Der Spielcharakter steht im Mittelpunkt.

Die konkrete Bühne von Harm Naaijer für „Wie es euch gefällt“ hat einiges zu bieten.
Becker: Shakespeares Stücke sind ja so geschrieben, dass man eigentlich keine Bühne braucht. Ort und Zeit sind immer eingeschrieben in den Text, die Dramaturgie ist so wunderbar gestaltet, dass du Shakespeare eigentlich in einem leeren Raum spielen kannst. Kein Problem. Eine Open-Air-Bühne erfordert aber trotzdem etwas Ablenkung für das Auge. Wir stellen den Wald von Arden abstrakt dar. Mehr möchte ich an dieser Stelle noch nicht verraten.

Die Kostüme sind an die Elisabethanische Zeit angelehnt: bunt, knallig, fröhlich, kräftig.
Becker: Ja, sie sind sehr markant und opulent.

Und es gibt Schafsperücken für alle – wieso denn das?
Becker: Wir starten mit einer Schafherde. Das ist natürlich auch eine Reminiszenz an die Vorlage – den Schäferroman. Zugleich ist es auch ein beliebtes Bild in der Bibel: „Der Herr ist mein Hirte“, „Wir sind die Schäfchen im Garten des Herrn“ etc. Auf der Bühne sind also viele Schafe, die sich nach und nach in etwas anderes verwandeln, ins Spiel kommen und vielleicht am Ende wieder zu Schafen werden …

Das Publikum darf sich auf ein Spektakel mit Wortgefechten, einem Ringkampf und viel Musik freuen. Dazwischen entfalten sich die bereits erwähnten Spielarten der Liebe. Was wäre von dir noch abschließend zu ergänzen?
Becker: Man wird tolle Schauspieler und Schauspielerinnen sehen! Sie sind in den Proben mit einer mordsmäßigen Energie an die Sache herangegangen. Das Publikum darf Spektakel erwarten – im wahrsten Sinne des Wortes.

Interview: Björn Achenbach

Die Bühne ist die Welt …

… und die Welt eine Bühne. Ein Essay über das Theater der Shakespeare-Zeit
Es war eine atemberaubende Erfolgsgeschichte: Quasi aus dem Nichts und in kürzester Zeit entwickelte sich das Theater Ende des 16. Jahrhunderts zum angesagten wie umstrittenen Hotspot der aufstrebenden Metropole London. 1567 wurde die erste feste Open-Air-Bühne für die Stadtgesellschaft errichtet, knapp 30 Jahre später gab es bereits sieben solcher Spielorte mit insgesamt ca. 12.000 Plätzen. Pro Woche strömten bis zu 50.000 Leute auf die Stehplätze und Ränge, also ein Viertel der damaligen Londoner Bevölkerung. Im Zuschauerraum war es extrem eng und ziemlich laut. Die elisabethanischen Theater waren keine Weihestätten der moralischen Ertüchtigung, sondern raue, unheilige Arenen des Showbiz, die nicht zuletzt auch Actionszenen, Comedynummern, Tanz- und Musikeinlagen, Improvisationen etc. boten. Die Stimmung könnte zuweilen einem Rockkonzert geähnelt haben. Zwischen Bühne und Publikum gab es einen regen Austausch.

Vor allem bei Menschen aus den niederen Ständen und beim Adel lag das neue Medium voll im Trend. Die puritanischen Spießbürger hingegen hassten die Theater. In ihrer Sicht waren das verruchte Orte, gelegen am Rande der Stadt in der Nachbarschaft von Bordellen, Armenhäusern, Spitälern und Tierhatz-Arenen. Besonders unerträglich fanden sie den Umstand, dass grundsätzlich alle Frauenrollen von jungen Männern gespielt wurden. Die so unterschwellig aufscheinende Dimension von Bisexualität sei gegen die göttliche Ordnung und bringe die Kategorien durcheinander.

Kategorien in Frage zu stellen – das war auch das Spezialgebiet des Superstars der aufblühenden Londoner Theaterszene: William Shakespeare. Als gefeierter Schauspieler und Dramatiker trug er wesentlich zum elisabethanischen Theaterwunder mit bei. Die Aufführungen seiner Stücke waren Möglichkeitsräume, in denen das Prinzip der Verwandlung herrschte: Ohne große Kulissen, einfach durch ihr Spiel, durch ihre Sprache und mithilfe opulenter Kostüme vermochten es die Schauspieler, ganze Welten heraufzubeschwören. So konnte man auf der einfachen Bretterbühne nach Italien oder auf blutige Schlachtfelder, in verzauberte Wälder und auf finstere Burgen reisen – oder auch mitten hinein in die Abgründe der menschlichen Seele. Man konnte hier Köni g*innen, Bettlern, Elfen, Handwerkern, Edelfrauen, Kaufleuten, Schäfer*innen, Soldaten, Mördern, Hexen, Narren und hundert anderen Gestalten begegnen. Shakespeare entwarf ein riesiges Spektrum unterschiedlicher, oft widersprüchlicher Stimmen und Perspektiven. Auf poetisch kondensierte Weise bildete er das Leben in seiner ganzen Vielfalt ab – ohne didaktischen Zeigefinger, ohne zu werten und fast ohne Tabus. Er interessierte sich nicht für Thesen und Homogenität, sondern für Widersprüche und Ambivalenzen.

Ein zentraler Aspekt in Shakespeares Poetik dabei ist, dass nicht nur die ganze Welt auf der Bühne Platz hat, sondern dass umgekehrt auch das menschliche Dasein metaphorisch als großes Theaterspiel zu begreifen sei – ein befreiender und zugleich beunruhigender Gedanke. Denn wenn alles nur ein Spiel ist und der eigene Beruf, das eigene Geschlecht etc. nur als eine mögliche Rolle interpretiert wird, könnte man potenziell auch eine ganz andere Rolle im Leben und in der Gesellschaft darstellen. Die vermeintlich festgefügte Verbindung von innerem Sein und äußerem Schein wird also fragwürdig und das Konzept der Identität brüchig. Es gibt Figuren bei Shakespeare, die sich wie Marionetten von einem Spielleiter an Fäden gezogen wähnen und darüber in Melancholie verfallen, während andere es als Akt der Freiheit empfinden, lustvoll mit den verschiedenen Rollenmöglichkeiten spielen zu können. In jedem Fall ist das Theater – als Bühne und als Metapher – für Shakespeare ein großartiges Medium der Welterfahrung und Weltdeutung.

Christopher Hanf

Humorvolle Wortgewitter

Philipp Mauritz kann Komödie. In Wie es euch gefällt spielt er eine hyperaktive Narrenfigur.
Philipp Mauritz hat das Talent, sich heimlich in Räume zu schleichen und dann mit einem „Knall“ und seinem strahlenden Lächeln ebendiese für sich einzunehmen. So sitzt er für dieses Interview plötzlich auf dem grauen Bürosofa, wo wir über seine neueste Produktion auf der Sommerbühne am Tiefen See sprechen wollen. In „Wie es euch gefällt“ spielt er Touchstone, einen shakespeare‘schen Hofnarren, der kein Blatt vor den Mund nimmt, sich im Laufe des Abends unsterblich in die Schäferin Audrey verliebt und diese am Ende heiratet. Er habe Respekt vor der Rolle gehabt, erzählt Mauritz, da die Ansprüche an eine Komödie sehr hoch seien. Wer ihn bereits als glamourösen Conférencier in „Cabaret“ oder als Bernd in Sibylle Bergs „In den Gärten oder Lysistrata Teil 2“erlebt hat, weiß jedoch, dass Humor definitiv eine seiner vielen schauspielerischen Stärken ist. Er kann jede ernste Situation mit einem Blick, einer Geste oder seiner Stimme in eine neue Richtung lenken. Er mag extreme Rollen, die schön skurril sind.

Geboren und aufgewachsen ist Philipp Mauritz im Badischen. Seit 23 Jahren lebt er in Berlin und Potsdam. Er fühlt sich hier angekommen, auch wenn er immer wieder zur Erheiterung seines Umfelds in den badischen Dialekt verfällt. Westdeutschland sei ganz anders – „eingesessener“. Dann stockt er und bemerkt verwundert, dass er inzwischen selbst schon von „Westdeutschland“ spricht. „Ich bin da zu Hause, wo ich bin“, sagt Touchstone in Shakespeares Stück. Das könne er unterschreiben, so der Schauspieler.

In „Wie es euch gefällt“ geht es unter anderem um die unterschiedlichen Lebensformen am Hofe und auf dem Land. Der Narr Touchstone zieht mit den beiden Hauptfiguren in eine Schäferhütte. In humorvollen Reimen kommentiert er das dortige Leben, seine Wortkaskaden prasseln wie ein Gewitter auf sein Gegenüber ein. Wenn Philipp Mauritz lange probt oder abends Vorstellungen hat, kann er in seinen Garten in Potsdam ausweichen. „Ich bin total froh, dass ich beides habe: Das Abtauchen in die Anonymität der Großstadt und wenn mir das zu viel wird, freue ich mich umso mehr im schönen Potsdam zu sein“, schwärmt er. Gefragt nach den Narrenfiguren in der heutigen Gesellschaft, fallen ihm sofort die Satiriker ein: Jan Böhmermann zum Beispiel, der in seiner Sendung „ZDF Magazin Royal“ furchtlos gesellschaftliche Missstände aufdeckt und anprangert.

Mut hat auch Mauritz bewiesen: Bevor er vor 22 Jahren Ensemblemitglied am Hans Otto Theater wurde, war er an verschiedenen Theatern engagiert, die er immer auf eigenen Wunsch hin wieder verließ – obwohl ihm Außenstehende stets davon abrieten, die Sicherheit der Festanstellung zu verlassen. Nach wie vor blickt er mit Zuversicht und Neugierde in die Zukunft und strahlt das auch aus. Seit er Familie habe, ist ihm Sicherheit allerdings wichtiger geworden. Für seine Figur in „Wie es euch gefällt“ hatte er in den ersten Probenwochen alle Freiheiten, sich auszuprobieren. Die Lust am Improvisieren hat er für sich entdeckt, und er wird sie sicher auf der Sommerbühne am Tiefen See bis ins Letzte auskosten.

Elena Iris Fichtner

WEITERFÜHRENDE LINKS

Der große William Shakespeare zeichnet in seinen Werken ein spannungsgeladenes, komplexes Bild von der menschlichen Psyche, das auch und gerade zu uns Menschen von heute spricht. Worin liegt das Faszinosum seiner Figuren?

Wenn bei Shakespeare die ganze Welt, das ganze Leben metaphorisch als Theaterstück beschrieben wird, steht dahinter die Vorstellung vom Leben als einem Möglichkeitsraum, in dem Menschen verschiedene Rollen spielen können. Die Rollensoziologie und moderne Strömungen der Identitätspsychologie vertreten ein ähnliches Menschenbild.

In Shakespeare Stücken erscheint die Liebe als irrationale Kraft, die kaum steuerbar ist. Die moderne Hirnforschung versucht, dem Ausnahmezustand Liebe neurophysiologisch auf die Spur zu kommen.
In welchem Verhältnis stehen Verliebtheit, Leidenschaft und Liebe? Psychologie und Biologie gehen dieser Frage nach.