SCHLEUDERDRAMA

von Laura Naumann
Vor einem Haus mit Garten irgendwo zwischen Ost- und Westdeutschland sitzt Mia im Auto ihrer Eltern in der Einfahrt. Sie wartet auf ihre Freundin Maia, schickt ihr Sprachnachricht um Sprachnachricht, weil sie nicht allein ins Haus gehen möchte. Drinnen sind Marion und Christian nach der Beerdigung von Marions Mutter mit der Frage beschäftigt, welchen Kuchen man aus dem sprechenden Kühlschrank auftauen soll. Marion will mit fragwürdigen Slogans Bürgermeisterin werden und ist etwas nah am Weißwein gebaut. Christian ist Health-Influencer und attackiert in seiner Freizeit Serviceroboter. Draußen im Garten gräbt Opa derweil ein tiefes Loch für einen Bunker. In die familiäre Ausnahmesituation hinein platzt Maia plötzlich als uniformierte Polizistin, freundet sich mit Mias Eltern an und unterzieht sie einer spontanen Paartherapie. Mia muss ihre Freundin unbedingt stoppen – notfalls mit Opas Gewehr. Maias Programmierung ist nach hinten losgegangen. Der Chatbot mit Körper entwickelt ein zu eigenes Eigenleben.

In Laura Naumanns „Schleuderdrama“ wird Künstliche Intelligenz zum menschlichen Trauma: Die Sehnsucht nach empathischen Beziehungen ist so groß, dass die Familie das Gegengift für ihre Vereinzelung an der Quelle sucht – in den Algorithmen. Aber am Ende müssen die Menschen die Ambivalenz von nicht eingelöster Hoffnung und gespenstischer Zukunft selbst aushalten. Opa weiß das am besten.
REGIE Max Immendorf BÜHNE Valentin Baumeister KOSTÜME Ulla Willis MUSIK Joshua Bauer
PREMIERE 9-APR-2027 / REITHALLE

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