DIGITALES PROGRAMMHEFT
Zu Stück und Inszenierung
Gedanken zum Stück
Mozarts „Zauberflöte“ zählt zu den weltweit meistgespielten Opern und begeistert ein Publikum von Jung bis Alt. Schon die Uraufführung von 1791 war wohl auch deshalb ein Kassenschlager, weil der Autor Emanuel Schikaneder effektvoll ganz unterschiedliche Theaterformen und Inhalte in sein Libretto mit einfließen ließ. Motive aus Zauberstücken und Märchen, große Gefühle, volkstümliche Komik, hehre Ideale aus der Freimaurerlehre und Anspielungen auf das antike Ägypten ergeben einen ziemlich wilden Stil- und Genre-Mix zwischen Posse, Pathos und Mythos. Deshalb wurde der Text auch immer wieder als konfuses „Machwerk“ abgewertet.
Aber vielleicht liegt die Qualität der Handlung gerade darin, dass sie nicht den Gesetzen der Rationalität gehorcht, sondern eher der Logik des Traums folgt und archetypische Erfahrungsmuster aufruft – etwa die Spannung zwischen Gut und Böse, Liebe und Hass, Vernunft und Gefühl. Allerdings hat das Libretto (nicht die Musik!) teilweise Patina angesetzt und enthält aus heutiger Sicht fragwürdige Positionen. Sein Geschlechterbild beispielsweise ist nicht mehr zeitgemäß. So steht dem scheinbar guten, aber tatsächlich patriarchal-dominant auftretenden Sarastro die Königin der Nacht gegenüber, die dämonisiert und in ein höllisches Reich dunkler Triebe verbannt wird.
In ihrer Neufassung dekonstruieren Nils Strunk und Lukas Schrenk die veralteten Rollenzuschreibungen und Ideale der Oper auf spielerisch-humorvolle Weise und unterziehen sie so einer Art Frischzellenkur. Die Bruchstellen, die auch in der ursprünglichen „Zauberflöten“- Geschichte angelegt sind, werden hier umso deutlicher sichtbar, weil die kleine Theatertruppe die Vorgaben des großen Meisterwerks unmöglich erfüllen kann. Daher muss sie sowohl in der Ausstattung als auch in der szenischen Umsetzung improvisieren. Wir sehen auf der Bühne folglich kein geschlossenes Ganzes, sondern ein Patchwork aus unterschiedlichen Versatzstücken. Da die Schauspieler*innen in ihrem Ringen mit dem berühmten Stoff immer wieder auch scheitern – frei nach dem Motto: „Kunst ist, wenn man’s nicht kann. Denn wenn man’s kann, ist’s keine Kunst“ (Nestroy) –, bewegt sich das Geschehen an der Schnittstelle von komischem Misslingen und wahren Gefühlen.
Auf diese Weise tritt auch der Riss zwischen Schein und Sein deutlich hervor. Bildnis und Wirklichkeit, äußerer Anblick und tatsächliche Lage stimmen häufig nicht überein; das zeigt sich an zahlreichen Stellen der Aufführung. Viele der Idealisierungen und Zuschreibungen der ursprünglichen Figuren werden konterkariert und erhalten einen Twist ins Heute: Prinz Tamino ist mit der Rolle des heldenhaft-männlichen Retters heillos überfordert. Die willensstarke Pamina zweifelt am romantischen Bild der Liebe. Papageno merkt, dass sein spaßorientierter Lebensstil ins Leere läuft, und wirft die alten Schönheitsideale über Bord. Sarastro und die Königin sind weder eindeutig gut noch böse, sondern haben beide Dreck am Stecken und teilen eine gemeinsame Geschichte. Im Kostüm des vermeintlichen Schergen Monostatos verbirgt sich eine verletzliche Person voller Sehnsucht, die zur Außenseiterin degradiert wurde.
Weil in dieser Welt dem äußeren Anschein nicht zu trauen ist, drohen sich die Figuren im Gestrüpp ihrer Gefühle zu verirren. Zum Glück gibt es ja aber die Zauberflöte, gibt es die heilende Kraft der Musik, die in einer verunsichernden Wirklichkeit Halt und Orientierung bieten kann: „Let love and music guide us through the night.“
Christopher Hanf
Aber vielleicht liegt die Qualität der Handlung gerade darin, dass sie nicht den Gesetzen der Rationalität gehorcht, sondern eher der Logik des Traums folgt und archetypische Erfahrungsmuster aufruft – etwa die Spannung zwischen Gut und Böse, Liebe und Hass, Vernunft und Gefühl. Allerdings hat das Libretto (nicht die Musik!) teilweise Patina angesetzt und enthält aus heutiger Sicht fragwürdige Positionen. Sein Geschlechterbild beispielsweise ist nicht mehr zeitgemäß. So steht dem scheinbar guten, aber tatsächlich patriarchal-dominant auftretenden Sarastro die Königin der Nacht gegenüber, die dämonisiert und in ein höllisches Reich dunkler Triebe verbannt wird.
In ihrer Neufassung dekonstruieren Nils Strunk und Lukas Schrenk die veralteten Rollenzuschreibungen und Ideale der Oper auf spielerisch-humorvolle Weise und unterziehen sie so einer Art Frischzellenkur. Die Bruchstellen, die auch in der ursprünglichen „Zauberflöten“- Geschichte angelegt sind, werden hier umso deutlicher sichtbar, weil die kleine Theatertruppe die Vorgaben des großen Meisterwerks unmöglich erfüllen kann. Daher muss sie sowohl in der Ausstattung als auch in der szenischen Umsetzung improvisieren. Wir sehen auf der Bühne folglich kein geschlossenes Ganzes, sondern ein Patchwork aus unterschiedlichen Versatzstücken. Da die Schauspieler*innen in ihrem Ringen mit dem berühmten Stoff immer wieder auch scheitern – frei nach dem Motto: „Kunst ist, wenn man’s nicht kann. Denn wenn man’s kann, ist’s keine Kunst“ (Nestroy) –, bewegt sich das Geschehen an der Schnittstelle von komischem Misslingen und wahren Gefühlen.
Auf diese Weise tritt auch der Riss zwischen Schein und Sein deutlich hervor. Bildnis und Wirklichkeit, äußerer Anblick und tatsächliche Lage stimmen häufig nicht überein; das zeigt sich an zahlreichen Stellen der Aufführung. Viele der Idealisierungen und Zuschreibungen der ursprünglichen Figuren werden konterkariert und erhalten einen Twist ins Heute: Prinz Tamino ist mit der Rolle des heldenhaft-männlichen Retters heillos überfordert. Die willensstarke Pamina zweifelt am romantischen Bild der Liebe. Papageno merkt, dass sein spaßorientierter Lebensstil ins Leere läuft, und wirft die alten Schönheitsideale über Bord. Sarastro und die Königin sind weder eindeutig gut noch böse, sondern haben beide Dreck am Stecken und teilen eine gemeinsame Geschichte. Im Kostüm des vermeintlichen Schergen Monostatos verbirgt sich eine verletzliche Person voller Sehnsucht, die zur Außenseiterin degradiert wurde.
Weil in dieser Welt dem äußeren Anschein nicht zu trauen ist, drohen sich die Figuren im Gestrüpp ihrer Gefühle zu verirren. Zum Glück gibt es ja aber die Zauberflöte, gibt es die heilende Kraft der Musik, die in einer verunsichernden Wirklichkeit Halt und Orientierung bieten kann: „Let love and music guide us through the night.“
Christopher Hanf
„Mozart hat die Popmusik erfunden“
Regisseurin Yvonne Kespohl und Bandleader Fabian Kuss über ihre Gedanken zur Inszenierung und ihre Zugänge zur Mozart-Oper
Was verbindet ihr mit Mozarts „Zauberflöte“, die ja zu den weltweit
meistgespielten Opern gehört?
Yvonne Kespohl: Aus meiner Kindheit vom Hören einer Kinderschallplattenversion der „Zauberflöte“ hat sich mir die Oper so stark eingeprägt, dass ich fast alle Texte und Melodien noch mitsingen konnte, als ich sie mir für diese Produktion nach längerer Zeit wieder angehört habe. Das hätte ich gar nicht erwartet. Ich finde es faszinierend, wie tief sich diese Musik in der Seele zu verankern vermag, wie tief sie in mich hineingewachsen ist. Und an der Story gefällt mir die märchenhafte Anlage, voller mystischer und rätselhafter Elemente, die sich logisch gar nicht entwirren lassen. Einerseits gibt es eine fast kindliche, spielerische, konkrete Ebene und andererseits eine archetypische, mythische Dimension. Da geht es um eine Welt, die aus dem Lot geraten ist. Und um das Gegeneinander von Gut und Böse, von Licht und Dunkelheit. Diese Gegensatzpaare korrespondieren miteinander.
Finden sich diese Aspekte auch in Mozarts Musik?
Fabian Kuss: Ja, die ganze Komposition ist extrem kontrastreich. Es gibt eine große Palette von Stilrichtungen, das macht die Musik so interessant, so überraschend, kreativ und emotional. Einerseits eingängige, klare Melodien mit Ohrwurm-Qualität, die ein breites Publikum ansprechen, und daneben auch ziemlich fette, pompöse Nummern für die großen Gefühle. Man könnte fast sagen, Mozart hat die Popmusik erfunden.
Was zeichnet die Neufassung der „Zauberflöte“ aus, die ihr auf die Potsdamer Bühne bringt?
Kespohl: Eine kleine, sechsköpfige, etwas chaotische Theatertruppe traut sich mit begrenzten Mitteln an den großen Opernstoff heran und probiert mit Spielwitz und Improvisationsvermögen eine zeitgemäße Version der „Zauberflöte“. Die Story bleibt mehr oder weniger die gleiche, aber die Konstellationen und Figuren werden gewissermaßen mit Gegenwart aufgeladen und weiterentwickelt. Papageno hat ja zum Beispiel auch schon bei Mozart und Schikaneder etwas von einem Entertainer, und so wird er in unserer Version zu einer Art Conférencier, einer Erzähler-Figur. Aber die wichtigste Setzung der Neufassung ist, dass die frauenfeindlichen Aspekte der Oper hier aus feministischer Perspektive verändert werden. Und zwar auf spielerische, intelligente, humorvolle Weise.
Kuss: Zum Beispiel ist das Verhältnis von Sarastro und der Königin der Nacht bei uns anders gewichtet. Gut und Böse sind nicht so eindeutig verteilt. Die beiden erscheinen ein bisschen wie ein altes Ehepaar, das sich so manche Beziehungskämpfe geliefert hat. Beide haben Dreck am Stecken, Kränkungen erlebt und einander Verletzungen zugefügt.
Kespohl: Und Pamina wird besonders aufgewertet. Während Tamino in der Heldenpose eine eher zaudernde, unsichere Figur abgibt, ist Pamina nicht nur eine sehnsüchtig liebende Prinzessin, sondern auch eine moderne junge Frau, die zupackt. Die sagt, was sie denkt und wo es langgeht, und die Zügel in die Hand nimmt. Die auch Dinge in Frage stellt. Wenn Tamino zum Beispiel verliebt ihr „Bildnis“ besingt, wundert sich Pamina, warum er so auf Äußerlichkeiten fixiert ist und sie nur vom Aussehen her beurteilt, obwohl er ihre „inneren Werte“ noch gar nicht kennt.
Und was passiert mit der Musik in der Neufassung?
Kuss: Die ist auch ins Heute geholt. Die bekannten Mozart-Melodien werden zum Teil zitiert, zum Teil werden sie aber durch die Arrangements sozusagen in Popsongs verwandelt. Und diese werden dann wiederum mit bekannten Songs unserer Gegenwart – also mit popkulturellen Referenzen und Zitaten – verschnitten. Das passt erstaunlich gut zusammen. Wir haben eine Band mit Schlagzeug, E-Bass, E-Gitarre und Synthesizer am Start. Dadurch bekommen die Mozart-Arien den Charakter von Indie- oder Popsongs. Für das Ensemble geht es dabei nicht um technische Perfektion, sondern um Emotion, also darum, Gedanken und Gefühle zu transportieren.
Was lässt sich über das Ausstattungskonzept von Mariam Haas und Lydia Huller sagen?
Kespohl: Ausgehend von der Grundsituation, dass die große Oper von einer kleinen Theatertruppe mit wenig Mitteln gespielt wird, hat die Ausstattung etwas Collageartiges. Die Idee dahinter ist, dass die Beteiligten in einen Theaterfundus gegangen sind und geschaut haben, was da so alles vorhanden ist und was man vielleicht gebrauchen könnte. Bühne und Kostüme sind bewusst nicht wie aus einem Guss hergestellt, sondern bestehen aus Versatzstücken aus alten Bühnenbildern und Kostümen, die sich für diese Inszenierung eignen könnten. Manches passt dann genauer zur Originalgeschichte, anderes eher assoziativ. Diese augenzwinkernde Sampling-Technik entspricht der ursprünglichen Zauberflöten-Story, bei der Schikaneder und Mozart mit ganz unterschiedlichen Formelementen gearbeitet haben und kein konsequentes, in sich geschlossenes Werk, sondern eher eine Collage aus verschiedenen Elementen zusammengebastelt haben.
Welche Rolle spielt Humor?
Kespohl: Dadurch, dass wir eben nicht von einer perfekt funktionierenden Opernproduktion ausgehen, soll gerade nicht alles reibungslos klappen. Vielmehr geht in unserer Anlage einiges auch bewusst schief, was ein super Komikpotenzial bietet.
Kuss: Und gleichzeitig sind die echten Gefühle, die menschlichen emotionalen Grundkonflikte, genauso wichtig.
Kespohl: Es gibt Situationen von großer Einsamkeit und Verzweiflung, von Eifersucht und Rache, von Liebe und Sehnsucht – Situationen, die ins Herz treffen. Sie sind dann direkt mit Momenten verbunden, in der die großen Gefühle auf komische Weise wieder gebrochen werden. Es geht also darum, die Oper auf unterhaltsame, coole, heitere Weise in unsere Gegenwart zu holen.
Das Gespräch führte Christopher Hanf
(erschienen in: Zugabe. Magazin Hans Otto Theater 01/26)
meistgespielten Opern gehört?
Yvonne Kespohl: Aus meiner Kindheit vom Hören einer Kinderschallplattenversion der „Zauberflöte“ hat sich mir die Oper so stark eingeprägt, dass ich fast alle Texte und Melodien noch mitsingen konnte, als ich sie mir für diese Produktion nach längerer Zeit wieder angehört habe. Das hätte ich gar nicht erwartet. Ich finde es faszinierend, wie tief sich diese Musik in der Seele zu verankern vermag, wie tief sie in mich hineingewachsen ist. Und an der Story gefällt mir die märchenhafte Anlage, voller mystischer und rätselhafter Elemente, die sich logisch gar nicht entwirren lassen. Einerseits gibt es eine fast kindliche, spielerische, konkrete Ebene und andererseits eine archetypische, mythische Dimension. Da geht es um eine Welt, die aus dem Lot geraten ist. Und um das Gegeneinander von Gut und Böse, von Licht und Dunkelheit. Diese Gegensatzpaare korrespondieren miteinander.
Finden sich diese Aspekte auch in Mozarts Musik?
Fabian Kuss: Ja, die ganze Komposition ist extrem kontrastreich. Es gibt eine große Palette von Stilrichtungen, das macht die Musik so interessant, so überraschend, kreativ und emotional. Einerseits eingängige, klare Melodien mit Ohrwurm-Qualität, die ein breites Publikum ansprechen, und daneben auch ziemlich fette, pompöse Nummern für die großen Gefühle. Man könnte fast sagen, Mozart hat die Popmusik erfunden.
Was zeichnet die Neufassung der „Zauberflöte“ aus, die ihr auf die Potsdamer Bühne bringt?
Kespohl: Eine kleine, sechsköpfige, etwas chaotische Theatertruppe traut sich mit begrenzten Mitteln an den großen Opernstoff heran und probiert mit Spielwitz und Improvisationsvermögen eine zeitgemäße Version der „Zauberflöte“. Die Story bleibt mehr oder weniger die gleiche, aber die Konstellationen und Figuren werden gewissermaßen mit Gegenwart aufgeladen und weiterentwickelt. Papageno hat ja zum Beispiel auch schon bei Mozart und Schikaneder etwas von einem Entertainer, und so wird er in unserer Version zu einer Art Conférencier, einer Erzähler-Figur. Aber die wichtigste Setzung der Neufassung ist, dass die frauenfeindlichen Aspekte der Oper hier aus feministischer Perspektive verändert werden. Und zwar auf spielerische, intelligente, humorvolle Weise.
Kuss: Zum Beispiel ist das Verhältnis von Sarastro und der Königin der Nacht bei uns anders gewichtet. Gut und Böse sind nicht so eindeutig verteilt. Die beiden erscheinen ein bisschen wie ein altes Ehepaar, das sich so manche Beziehungskämpfe geliefert hat. Beide haben Dreck am Stecken, Kränkungen erlebt und einander Verletzungen zugefügt.
Kespohl: Und Pamina wird besonders aufgewertet. Während Tamino in der Heldenpose eine eher zaudernde, unsichere Figur abgibt, ist Pamina nicht nur eine sehnsüchtig liebende Prinzessin, sondern auch eine moderne junge Frau, die zupackt. Die sagt, was sie denkt und wo es langgeht, und die Zügel in die Hand nimmt. Die auch Dinge in Frage stellt. Wenn Tamino zum Beispiel verliebt ihr „Bildnis“ besingt, wundert sich Pamina, warum er so auf Äußerlichkeiten fixiert ist und sie nur vom Aussehen her beurteilt, obwohl er ihre „inneren Werte“ noch gar nicht kennt.
Und was passiert mit der Musik in der Neufassung?
Kuss: Die ist auch ins Heute geholt. Die bekannten Mozart-Melodien werden zum Teil zitiert, zum Teil werden sie aber durch die Arrangements sozusagen in Popsongs verwandelt. Und diese werden dann wiederum mit bekannten Songs unserer Gegenwart – also mit popkulturellen Referenzen und Zitaten – verschnitten. Das passt erstaunlich gut zusammen. Wir haben eine Band mit Schlagzeug, E-Bass, E-Gitarre und Synthesizer am Start. Dadurch bekommen die Mozart-Arien den Charakter von Indie- oder Popsongs. Für das Ensemble geht es dabei nicht um technische Perfektion, sondern um Emotion, also darum, Gedanken und Gefühle zu transportieren.
Was lässt sich über das Ausstattungskonzept von Mariam Haas und Lydia Huller sagen?
Kespohl: Ausgehend von der Grundsituation, dass die große Oper von einer kleinen Theatertruppe mit wenig Mitteln gespielt wird, hat die Ausstattung etwas Collageartiges. Die Idee dahinter ist, dass die Beteiligten in einen Theaterfundus gegangen sind und geschaut haben, was da so alles vorhanden ist und was man vielleicht gebrauchen könnte. Bühne und Kostüme sind bewusst nicht wie aus einem Guss hergestellt, sondern bestehen aus Versatzstücken aus alten Bühnenbildern und Kostümen, die sich für diese Inszenierung eignen könnten. Manches passt dann genauer zur Originalgeschichte, anderes eher assoziativ. Diese augenzwinkernde Sampling-Technik entspricht der ursprünglichen Zauberflöten-Story, bei der Schikaneder und Mozart mit ganz unterschiedlichen Formelementen gearbeitet haben und kein konsequentes, in sich geschlossenes Werk, sondern eher eine Collage aus verschiedenen Elementen zusammengebastelt haben.
Welche Rolle spielt Humor?
Kespohl: Dadurch, dass wir eben nicht von einer perfekt funktionierenden Opernproduktion ausgehen, soll gerade nicht alles reibungslos klappen. Vielmehr geht in unserer Anlage einiges auch bewusst schief, was ein super Komikpotenzial bietet.
Kuss: Und gleichzeitig sind die echten Gefühle, die menschlichen emotionalen Grundkonflikte, genauso wichtig.
Kespohl: Es gibt Situationen von großer Einsamkeit und Verzweiflung, von Eifersucht und Rache, von Liebe und Sehnsucht – Situationen, die ins Herz treffen. Sie sind dann direkt mit Momenten verbunden, in der die großen Gefühle auf komische Weise wieder gebrochen werden. Es geht also darum, die Oper auf unterhaltsame, coole, heitere Weise in unsere Gegenwart zu holen.
Das Gespräch führte Christopher Hanf
(erschienen in: Zugabe. Magazin Hans Otto Theater 01/26)
Informationen und Hintergründe zu „Die Zauberflöte“ von Mozart und Schikaneder
Einen kurzen Überblick in einfacher Form über die Handlungszusammenhänge der Oper finden Sie hier.
Viele interessante Hintergründe und Texte zur Mozart-Oper sind in dem informativen Programmheft zur Opern-Aufführung in der Komischen Oper Berlin (Regie: Barrie Kosky) nachzulesen.
Der renommierte Kulturwissenschaftler Jan Assmann spricht in einem aufschlussreichen Interview über einige geistes- und kulturgeschichtlichen Horizonte der Mozart-Oper.
Einige Passagen der Original-„Zauberflöte“ müssen heute als frauenfeindlich und rassistisch eingestuft werden. Mehr dazu hier.
Die Verlag Critical Classic hat das Libretto der Original-Oper auf rassistische und frauenfeindliche Passagen hin untersucht und bietet alternative Formulierungen an, um eine sprachlich und gedanklich zeitgemäßere Version der Oper zu ermöglichen.
Viele interessante Hintergründe und Texte zur Mozart-Oper sind in dem informativen Programmheft zur Opern-Aufführung in der Komischen Oper Berlin (Regie: Barrie Kosky) nachzulesen.
Der renommierte Kulturwissenschaftler Jan Assmann spricht in einem aufschlussreichen Interview über einige geistes- und kulturgeschichtlichen Horizonte der Mozart-Oper.
Einige Passagen der Original-„Zauberflöte“ müssen heute als frauenfeindlich und rassistisch eingestuft werden. Mehr dazu hier.
Die Verlag Critical Classic hat das Libretto der Original-Oper auf rassistische und frauenfeindliche Passagen hin untersucht und bietet alternative Formulierungen an, um eine sprachlich und gedanklich zeitgemäßere Version der Oper zu ermöglichen.
Patriarchat, Aufklärung und Sarastros Herrschaft
Die europäische Aufklärung des 18. Jahrhunderts stellte ein neues Ideal in den Mittelpunkt: den Menschen als vernunftbegabtes, selbstbestimmtes Wesen. Philosophinnen und Philosophen forderten, dass sich der Mensch von überlieferten Autoritäten löse und den Mut finde, den eigenen Verstand zu gebrauchen. Freiheit, Gleichheit und Humanität wurden zu Leitbegriffen einer Epoche, die bis heute als wichtiger Ursprung moderner demokratischer Gesellschaften gilt.Doch diese Ideale standen von Anfang an in einem Spannungsverhältnis zur gesellschaftlichen Wirklichkeit. Die Welt der Aufklärung war in vieler Hinsicht noch patriarchal organisiert. Bildung, politische Teilhabe und öffentliche Rede waren überwiegend Männern vorbehalten. Frauen hingegen wurden häufig mit Gefühl, Moral und häuslicher Fürsorge verbunden. Während der Mann als Vertreter der Vernunft in Politik und Öffentlichkeit auftrat, galt die Frau vor allem als Hüterin des Privaten. Die universellen Ideale der Aufklärung wurden also zunächst keineswegs auf alle Menschen gleichermaßen angewendet.
Diese Ambivalenz spiegelt sich auch in der Oper Die Zauberflöte, die Wolfgang Amadeus Mozart gemeinsam mit Emanuel Schikaneder schuf. Die Figur des Sarastro verkörpert auf den ersten Blick zentrale Ideale der Aufklärung: Weisheit, Vernunft, Ordnung und Humanität. Sein Tempel erscheint als Ort der Erkenntnis, an dem Wahrheit gesucht und moralische Läuterung angestrebt wird. Gleichzeitig trägt diese Ordnung deutliche patriarchale Züge. Sarastro herrscht über eine überwiegend männlich geprägte Gemeinschaft, in der Autorität und Weisheit eng mit männlicher Führung verbunden sind. Frauen erscheinen innerhalb dieser Welt häufig als emotional, verführbar oder schutzbedürftig und bleiben von den zentralen Entscheidungs- und Erkenntnisräumen weitgehend ausgeschlossen.
Insbesondere im Umgang mit dem Sklaven Monostatos zeigt sich eine ausgeprägte Doppelmoral zwischen moralischem Anspruch und tatsächlicher Praxis. Obwohl Sarastro sich als Vertreter von Humanität und Gerechtigkeit präsentiert, wird Monostatos innerhalb dieser Ordnung erniedrigt, bestraft und instrumentalisiert. Die Oper verweist damit indirekt auf eine weitere Grenze aufgeklärter Ideale: Nicht alle Figuren sind gleichermaßen Teil der versprochenen moralischen Gemeinschaft. So zeigt Die Zauberflöte nicht nur ein Ideal von Vernunft und moralischer Erziehung, sondern auch die Ambivalenz einer Epoche, die universelle Werte formulierte, ohne sie bereits vollständig verwirklichen zu können.
erstellt mit Hilfe von KI
Diese Ambivalenz spiegelt sich auch in der Oper Die Zauberflöte, die Wolfgang Amadeus Mozart gemeinsam mit Emanuel Schikaneder schuf. Die Figur des Sarastro verkörpert auf den ersten Blick zentrale Ideale der Aufklärung: Weisheit, Vernunft, Ordnung und Humanität. Sein Tempel erscheint als Ort der Erkenntnis, an dem Wahrheit gesucht und moralische Läuterung angestrebt wird. Gleichzeitig trägt diese Ordnung deutliche patriarchale Züge. Sarastro herrscht über eine überwiegend männlich geprägte Gemeinschaft, in der Autorität und Weisheit eng mit männlicher Führung verbunden sind. Frauen erscheinen innerhalb dieser Welt häufig als emotional, verführbar oder schutzbedürftig und bleiben von den zentralen Entscheidungs- und Erkenntnisräumen weitgehend ausgeschlossen.
Insbesondere im Umgang mit dem Sklaven Monostatos zeigt sich eine ausgeprägte Doppelmoral zwischen moralischem Anspruch und tatsächlicher Praxis. Obwohl Sarastro sich als Vertreter von Humanität und Gerechtigkeit präsentiert, wird Monostatos innerhalb dieser Ordnung erniedrigt, bestraft und instrumentalisiert. Die Oper verweist damit indirekt auf eine weitere Grenze aufgeklärter Ideale: Nicht alle Figuren sind gleichermaßen Teil der versprochenen moralischen Gemeinschaft. So zeigt Die Zauberflöte nicht nur ein Ideal von Vernunft und moralischer Erziehung, sondern auch die Ambivalenz einer Epoche, die universelle Werte formulierte, ohne sie bereits vollständig verwirklichen zu können.
erstellt mit Hilfe von KI
Biografisches
NILS STRUNK
Nils Strunk, geboren 1990, aufgewachsen in Lübeck, studierte von 2011-2015 Schauspiel an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Es folgen Engagements u.a. an der Schaubühne am Lehniner Platz, am Deutschen Theater Berlin, an der Staatsoper Unter den Linden, am Staatstheater Wiesbaden, am Residenztheater in München und an der Volksbühne Berlin. Er ist Gründungsmitglied vom Neuen Künstlertheater Berlin. Außerdem arbeitet Nils Strunk als Regisseur sowie als Musiker und Komponist für Bühnen- und Filmmusik und agiert als Schauspieler auch für TV- und Film vor der Kamera. Seit der Spielzeit 2021/22 gehört er zum Ensemble des Wiener Burgtheaters. Zusammen mit dem Schauspieler und Autor Lukas Schrenk bildet er seit einigen Jahren ein kreatives Duo. So bringen die beiden Theaterprojekte auf die Bühne, in denen oftmals Text, Musik und Spiel verschmelzen. Einen wichtigen Teil ihres Schaffens bilden eigene Bearbeitungen berühmter Stoffe wie „Mephisto“ (2023) am Badischen Staatstheater Karlsruhe oder „Die Zauberflöte – the opera but not the opera“ (2023), „Schachnovelle“ (2024) und „Gullivers Reisen“ (2025) am Wiener Burgtheater sowie „Killing Carmen“ (2025) an der Wiener Volksoper.
LUKAS SCHRENK
Lukas Schrenk, geboren 1991 in Heidelberg, studierte von 2011-2015 Schauspiel an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Für einige Jahre war er Teil des Ensembles am Staatstheaters Wiesbaden. Jetzt arbeitet er als freier Autor und Schauspieler. Zusammen mit dem Schauspieler, Regisseur, Musiker und Komponisten Nils Strunk bildet er ein kreatives Duo. Die beiden bringen seit einigen Jahren Theaterprojekte auf die Bühne, in denen Text, Musik und Spiel verschmelzen. Einen wichtigen Teil ihres Schaffens bilden eigene Bearbeitungen berühmter Stoffe wie „Mephisto“ (2023) am Badischen Staatstheater Karlsruhe oder „Die Zauberflöte – the opera but not the opera“ (2023), „Schachnovelle“ (2024) und „Gullivers Reisen“ (2025) am Wiener Burgtheater sowie „Killing Carmen“ (2025) an der Wiener Volksoper.
WOLFGANG AMADEUS MOZART
Wolfgang Amadeus Mozart wurde 1756 in Salzburg geboren. Er gilt als einer der bedeutendsten Komponisten der Wiener Klassik. Sein außergewöhnliches musikalisches Talent zeigte sich früh: Bereits im Kindesalter spielte er anspruchsvolle Werke auf dem Cembalo und der Violine und begann mit etwa fünf Jahren eigene Stücke zu komponieren. Auf ausgedehnten Konzertreisen durch Europa trat er gemeinsam mit seiner Schwester an zahlreichen Höfen auf und erwarb sich den Ruf eines Wunderkindes. Nach diesen frühen Erfolgen stand Mozart zunächst im Dienst des Salzburger Fürsterzbischofs Colloredo. Die Anstellung war durch feste Verpflichtungen geprägt, die Mozarts künstlerische Selbstständigkeit einschränkten. 1781 kam es nach zahlreichen Konflikten zum endgültigen Bruch mit dem Erzbischof, und Mozart ließ sich in Wien nieder. Dort arbeitete er als freischaffender Komponist, Pianist und Musiklehrer – ein für diese Zeit ungewöhnlicher Schritt. In Wien entstanden zahlreiche Hauptwerke. Dazu zählen die Opern „Die Entführung aus dem Serail“, „Le nozze di Figaro“, „Don Giovanni“, „Così fan tutte“ und „Die Zauberflöte“. Darüber hinaus schuf Mozart bedeutende Sinfonien, Klavierkonzerte, Kammermusik und geistliche Werke. Seit 1780 verband ihn eine Freundschaft mit Emanuel Schikaneder, der das Libretto für die „Zauberflöte“ schuf und die erfolgreiche (von Mozart selbst dirigierte) Wiener Uraufführung dieser Oper im Jahre 1791 auch inszenierte. Trotz künstlerischer Anerkennung war Mozarts Leben in Wien von finanziellen Schwierigkeiten begleitet. Er starb dort am 5. Dezember 1791 nach kurzer schwerer Krankheit.
EMANUEL SCHIKANEDER
Emanuel Schikaneder wurde 1751 in Straubing geboren. Er wuchs in einfachen Verhältnissen auf und erhielt seine Ausbildung unter anderem bei den Jesuiten. Schon in jungen Jahren wandte er sich dem Theater zu und trat zunächst als Schauspieler, Sänger und Tänzer auf. In den 1770er-Jahren schloss er sich verschiedenen Wanderbühnen an und gründete später eine eigene Theatertruppe, mit der er durch Süddeutschland und Österreich reiste. Schikaneder war nicht nur Darsteller, Theaterdirektor und Regisseur, sondern verfasste auch zahlreiche Stücke und Bearbeitungen, zum Beispiel Singspiele, Possen, Dramen und aufwendige Spektakelstücke, die auf publikumswirksame Effekte setzten. Dabei bewies er ein Gespür für Unterhaltung und Humor sowie für die Verbindung von Musik, Schauspiel und Bühnenzauber. Seit 1780 verband ihn eine Freundschaft mit Wolfgang Amadeus Mozart. 1789 übernahm er die Leitung des Theaters auf der Wieden in der Wiener Vorstadt. Unter seiner Führung entwickelte sich das Haus, das eine Kapazität von 1000 Plätzen hatte, zu einer beim Publikum sehr beliebten Adresse für das deutschsprachige Singspiel. Seine größte Bekanntheit erlangte Schikaneder als Librettist der „Zauberflöte“, die 1791 im Theater auf der Wieden uraufgeführt wurde. Schikaneder übernahm dabei selbst die Rolle des Papageno. Später war er maßgeblich an der Gründung und Leitung des Theaters an der Wien beteiligt, das 1801 eröffnet wurde und zu den modernsten Bühnen seiner Zeit zählte. Trotz künstlerischer Erfolge geriet er wiederholt in finanzielle Schwierigkeiten. In seinen letzten Lebensjahren verschlechterte sich sein Gesundheitszustand; er starb 1812 in Wien. Schikaneder gilt als „Theatertier“ und einflussreicher Bühnenpraktiker, der für ein Theater stand, das ein breites Publikum aus verschiedenen Bevölkerungsschichten anzusprechen vermochte.
Eine ausführlichere Biografie über Emanuel Schikaneder und Informationen zur Entstehung und Uraufführung der „Zauberflöte“ finden Sie hier.
Nils Strunk, geboren 1990, aufgewachsen in Lübeck, studierte von 2011-2015 Schauspiel an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Es folgen Engagements u.a. an der Schaubühne am Lehniner Platz, am Deutschen Theater Berlin, an der Staatsoper Unter den Linden, am Staatstheater Wiesbaden, am Residenztheater in München und an der Volksbühne Berlin. Er ist Gründungsmitglied vom Neuen Künstlertheater Berlin. Außerdem arbeitet Nils Strunk als Regisseur sowie als Musiker und Komponist für Bühnen- und Filmmusik und agiert als Schauspieler auch für TV- und Film vor der Kamera. Seit der Spielzeit 2021/22 gehört er zum Ensemble des Wiener Burgtheaters. Zusammen mit dem Schauspieler und Autor Lukas Schrenk bildet er seit einigen Jahren ein kreatives Duo. So bringen die beiden Theaterprojekte auf die Bühne, in denen oftmals Text, Musik und Spiel verschmelzen. Einen wichtigen Teil ihres Schaffens bilden eigene Bearbeitungen berühmter Stoffe wie „Mephisto“ (2023) am Badischen Staatstheater Karlsruhe oder „Die Zauberflöte – the opera but not the opera“ (2023), „Schachnovelle“ (2024) und „Gullivers Reisen“ (2025) am Wiener Burgtheater sowie „Killing Carmen“ (2025) an der Wiener Volksoper.
LUKAS SCHRENK
Lukas Schrenk, geboren 1991 in Heidelberg, studierte von 2011-2015 Schauspiel an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Für einige Jahre war er Teil des Ensembles am Staatstheaters Wiesbaden. Jetzt arbeitet er als freier Autor und Schauspieler. Zusammen mit dem Schauspieler, Regisseur, Musiker und Komponisten Nils Strunk bildet er ein kreatives Duo. Die beiden bringen seit einigen Jahren Theaterprojekte auf die Bühne, in denen Text, Musik und Spiel verschmelzen. Einen wichtigen Teil ihres Schaffens bilden eigene Bearbeitungen berühmter Stoffe wie „Mephisto“ (2023) am Badischen Staatstheater Karlsruhe oder „Die Zauberflöte – the opera but not the opera“ (2023), „Schachnovelle“ (2024) und „Gullivers Reisen“ (2025) am Wiener Burgtheater sowie „Killing Carmen“ (2025) an der Wiener Volksoper.
WOLFGANG AMADEUS MOZART
Wolfgang Amadeus Mozart wurde 1756 in Salzburg geboren. Er gilt als einer der bedeutendsten Komponisten der Wiener Klassik. Sein außergewöhnliches musikalisches Talent zeigte sich früh: Bereits im Kindesalter spielte er anspruchsvolle Werke auf dem Cembalo und der Violine und begann mit etwa fünf Jahren eigene Stücke zu komponieren. Auf ausgedehnten Konzertreisen durch Europa trat er gemeinsam mit seiner Schwester an zahlreichen Höfen auf und erwarb sich den Ruf eines Wunderkindes. Nach diesen frühen Erfolgen stand Mozart zunächst im Dienst des Salzburger Fürsterzbischofs Colloredo. Die Anstellung war durch feste Verpflichtungen geprägt, die Mozarts künstlerische Selbstständigkeit einschränkten. 1781 kam es nach zahlreichen Konflikten zum endgültigen Bruch mit dem Erzbischof, und Mozart ließ sich in Wien nieder. Dort arbeitete er als freischaffender Komponist, Pianist und Musiklehrer – ein für diese Zeit ungewöhnlicher Schritt. In Wien entstanden zahlreiche Hauptwerke. Dazu zählen die Opern „Die Entführung aus dem Serail“, „Le nozze di Figaro“, „Don Giovanni“, „Così fan tutte“ und „Die Zauberflöte“. Darüber hinaus schuf Mozart bedeutende Sinfonien, Klavierkonzerte, Kammermusik und geistliche Werke. Seit 1780 verband ihn eine Freundschaft mit Emanuel Schikaneder, der das Libretto für die „Zauberflöte“ schuf und die erfolgreiche (von Mozart selbst dirigierte) Wiener Uraufführung dieser Oper im Jahre 1791 auch inszenierte. Trotz künstlerischer Anerkennung war Mozarts Leben in Wien von finanziellen Schwierigkeiten begleitet. Er starb dort am 5. Dezember 1791 nach kurzer schwerer Krankheit.
EMANUEL SCHIKANEDER
Emanuel Schikaneder wurde 1751 in Straubing geboren. Er wuchs in einfachen Verhältnissen auf und erhielt seine Ausbildung unter anderem bei den Jesuiten. Schon in jungen Jahren wandte er sich dem Theater zu und trat zunächst als Schauspieler, Sänger und Tänzer auf. In den 1770er-Jahren schloss er sich verschiedenen Wanderbühnen an und gründete später eine eigene Theatertruppe, mit der er durch Süddeutschland und Österreich reiste. Schikaneder war nicht nur Darsteller, Theaterdirektor und Regisseur, sondern verfasste auch zahlreiche Stücke und Bearbeitungen, zum Beispiel Singspiele, Possen, Dramen und aufwendige Spektakelstücke, die auf publikumswirksame Effekte setzten. Dabei bewies er ein Gespür für Unterhaltung und Humor sowie für die Verbindung von Musik, Schauspiel und Bühnenzauber. Seit 1780 verband ihn eine Freundschaft mit Wolfgang Amadeus Mozart. 1789 übernahm er die Leitung des Theaters auf der Wieden in der Wiener Vorstadt. Unter seiner Führung entwickelte sich das Haus, das eine Kapazität von 1000 Plätzen hatte, zu einer beim Publikum sehr beliebten Adresse für das deutschsprachige Singspiel. Seine größte Bekanntheit erlangte Schikaneder als Librettist der „Zauberflöte“, die 1791 im Theater auf der Wieden uraufgeführt wurde. Schikaneder übernahm dabei selbst die Rolle des Papageno. Später war er maßgeblich an der Gründung und Leitung des Theaters an der Wien beteiligt, das 1801 eröffnet wurde und zu den modernsten Bühnen seiner Zeit zählte. Trotz künstlerischer Erfolge geriet er wiederholt in finanzielle Schwierigkeiten. In seinen letzten Lebensjahren verschlechterte sich sein Gesundheitszustand; er starb 1812 in Wien. Schikaneder gilt als „Theatertier“ und einflussreicher Bühnenpraktiker, der für ein Theater stand, das ein breites Publikum aus verschiedenen Bevölkerungsschichten anzusprechen vermochte.
Eine ausführlichere Biografie über Emanuel Schikaneder und Informationen zur Entstehung und Uraufführung der „Zauberflöte“ finden Sie hier.