26.09.2017

Vielfalt verbindet

Veranstaltungen im Rahmen der
Interkulturellen Woche Potsdam 2017

»Vielfalt verbindet«, unter diesem Motto steht 2017 die bundesweite »Interkulturelle Woche«, die in Potsdam vom 24. September bis 15. Oktober stattfindet. Mit einem reichen Programm setzen Vertreter der Potsdamer Stadtgesellschaft wichtige Impulse in der öffentlichen Diskussion um Migration und Integration. Auch das Hans Otto Theater beteiligt sich mit drei Veranstaltungen an dem vielseitigen Programm.

Inszenierung
»Die Stunde da wir nichts voneinander wußten«
von Peter Handke

Ein Stück ohne Worte, mit Schauspielern und Tänzern
Kunst öffnet Räume, die vor der Sprache liegen. Mit »Die Stunde da wir nichts voneinander wußten« schrieb Peter Handke ein Stück ohne Worte, ein textloses Theaterwunder, wir geschaffen für unsere widersprüchliche Wirklichkeit. Einen zunächst leeren Platz überqueren nach und nach Hunderte namenloser Menschen, Männer und Frauen, Paare und Passanten, Bekannte und Fremde, Verrückte und Clowns, Müllfahrer und Götter, Liebende und Schönheiten. Sie schweben vorüber und verschwinden, doch keiner spricht ein Wort. – Peter Handke öffnet einen Assoziationsraum, der weit in die Vergangenheit und Gegenwart Europas greift. Ein poetischer Bilderbogen, in dem jeder Zuschauer seine eigenen Geschichten wiederfinden kann und zugleich Zeuge von Menschengeschichten wird.
Am 30. September, 19:30 Uhr, Hans Otto Theater/Neues Theater
Karten 13-33 € / erm. 9-23 €

»Refugees‘ Club«
Musik und Begegnungen

Der »Refugees‘ Club« ist ein offener Treffpunkt für Potsdamer und Flüchtlinge: Hier trifft man sich zur lockeren interkulturellen Session, um miteinander ins Gespräch zu kommen, Kunst zu machen, neue Freunde zu finden und zu tanzen. Musiker, Poeten, Künstler, Tänzer, und Schauspieler präsentieren Kurz-Auftritte und kleine Konzerte, erzählen Geschichten, lesen Gedichte, zeigen Filme und bieten allerlei Spontanes. Im Oktober u. a. mit dem Potsdamer interkulturellen Chorprojekt »Heimatsounds«, dem syrischen Musiker Youssef Bosnali und seiner Band, der »Combo International« mit ihrem orientalisch-europäischem Mix, den syrischen Tänzern von »Mosaiksteine« und unserem Schauspieler Frédéric Brossier.
Am 10. Oktober, 19:00 Uhr, Hans Otto Theater/ Reithalle Forum
Der Eintritt ist frei.

Kinder Bilder
aus der Erstaufnahmeeinrichtung Heinrich-Mann-Allee
Ausstellungseröffnung

Hilfe wird gebraucht, und so ist man plötzlich Ehrenamtler und begreift schnell, was zu tun ist. Versorgung, Einfühlung, Trost und Ermutigung. Die Regisseurin Karola Hattop und die Kameraleute Andreas Höfer und Hans Hattop brachten Farben und Papier mit. »Let’s paint our dreams«, schrieben sie auf ein Blatt und klebten es an die Zeltwand. Es waren zuerst die Kinder, die zum Pinsel griffen. Später kamen einige Eltern dazu. Jeder, der wollte, konnte sich mit seinem Bild von Andreas Höfer fotografieren lassen. Die entstandenen Fotos und Bilder werden nun in einer Ausstellung in der Reithalle des Hans Otto Theaters präsentiert. Die Ausstellungseröffnung feiern wir im Rahmen des Refugees‘ Clubs.
Am 10. Oktober, 20:00 Uhr, Hans Otto Theater / Reithalle Foyer
Der Eintritt ist frei.

Download Pressebilder

Beim Bundestreffen „Schultheater der Länder“ werden vom 17. – 23. September die besten Inszenierungen im Hans Otto Theater präsentiert

Das Land Brandenburg ist in diesem Jahr Gastgeber des Schultheatertreffens der Länder. Unter dem Motto „Theater.Film“ kommen vom 17. - 23. September 2017 zum 33. Mal Schultheatergruppen aus allen Bundesländern zusammen. An sechs Tagen werden 16 Aufführungen gezeigt. Dazu gibt es zahlreiche Möglichkeiten zum Fachaustausch. Insgesamt werden in Potsdam rund 320 Schülerinnen und Schüler sowie ca. 125 Theaterlehrer, Theaterpädagogen, Studenten erwartet.

Jedes Bundesland ist mit einer Aufführung zum Thema „Theater.Film“ im Hans Otto Theater zu erleben. Eröffnet wird das Festival mit der Inszenierung „Zur goldenen Kamera“ der Brandenburger Theatergruppe der Förderschule Mittenwalde.

An sechs Tagen werden 16 Aufführungen aus allen Bundesländern im gastgebenden Hans Otto Theater gezeigt. Am Fach- und Workshoptag werden 22 Workshops für die Schüler*innen und eine Fachtagung mit Vorträgen und mehreren Impulsworkshops für die Fachtagungsteilnehmer*innen im Rahmen der Lehrerfortbildung stattfinden. Als Gäste werden u.a. der Regisseur Volker Schlöndorff sowie die Schauspielerin und Regisseurin Alina Gregor und die Theaterwissenschaftlerin und Bildende Künstlerin Hanna Linn Ernst in der Fachhochschule Potsdam erwartet.

Kooperationspartner sind außerdem die Filmuniversität Babelsberg „Konrad Wolf“, deren Studenten die Spielgruppen als Scouts unterstützen, und die Voltairschule Potsdam, die u.a. die Eröffnungsveranstaltung gestalten wird.

Vorstand des Bundesverbandes Theater in Schulen, Gunter Mieruch: „Das Schultheater der Länder ist das größte europäische Festival seiner Art. Der von der Kultusministerkonferenz empfohlene Bundeswettbewerb wird jährlich vom Bundesverband »Theater in Schulen« in Kooperation mit einem wechselnden Bundesland ausgerichtet. Zu dem einwöchigen Treffen begegnen sich Theatergruppen aus allen Bundesländern und Theaterexperten aus Schule, der außerschulischen Kulturellen Bildung und Wissenschaft. Alle sehen die von einer Bundesjury ausgewählten Aufführungen und diskutieren vor dem Hintergrund des Gesehenen das jeweils wechselnde Fachthema des Schultheaters.“

Vorsitzende der Brandenburgischen Landesarbeitsgemeinschaft Theater in Schulen e. V., Heike Schade: „Die Hauptakteure beim Schultheatertreffen der Länder sind natürlich die Schülerinnen und Schüler, die vor Ort die Workshops besuchen, die Aufführungen der anderen Gruppen sehen, die gastgebende Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten kennenlernen und natürlich ihren eigenen Auftritt genießen. Die besondere Festival-Atmosphäre ist für alle ein Gewinn: Hier können sich die Projektgruppen mit anderen theaterinteressierten Kindern und Jugendlichen austauschen und weiterentwickeln.“

Minister für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg, Günter Baaske: „Potsdam ist eine traditionsreiche Theaterstadt. Heute wird sie geprägt vom renommierten Hans Otto Theater und der großen kreativen freie Szene. Ich freue mich, dass die Schultheater der Länder sich in Potsdam treffen und das künstlerische Angebot um eine interessante Facette bereichern werden.“

Intendant des Hans Otto Theaters, Tobias Wellemeyer: „Wir freuen uns sehr, dass das Schultheatertreffen bei uns zu Gast sein wird, denn auch uns liegt die Arbeit für junge Zuschauer sehr am Herzen. Am Theater lernen junge Menschen, die Welt mit künstlerischen Mitteln zu begreifen und zu diskutieren. Indem es Perspektivwechsel ermöglicht und herausfordert, ist Theater auch eine Schule der Toleranz – mit Sicherheit eines der Themen unserer Gegenwart. Wie wir damit umgehen, stellt die Weichen für die Zukunft unserer Gesellschaft.“

Die Brandenburgische Landesarbeitsgemeinschaft Theater in Schulen e. V. hat das Schultheatertreffen geplant und organisiert. Förderer sind das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS), das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur (MWFK), die Landeshauptstadt Potsdam und die Stiftung Mercator.

Für das Land Brandenburg hat das Festival in diesem Jahr eine besondere Bedeutung. So wird zum neuen Schuljahr ein neuer Rahmenlehrplan für die Jahrgangsstufen 1 bis 10 wirksam, in dem u. a. die kulturelle Bildung für alle Schulen verbindlich festgeschrieben ist. Zudem wird das neue Wahlpflichtfach „Theater“ ab Jahrgangsstufe 7 eingeführt.
Auf der heutigen Pressekonferenz stellten Intendant Tobias Wellemeyer und Chefdramaturgin Ute Scharfenberg die Premieren und künstlerischen Vorhaben für die kommende Spielzeit 2017/2018 vor. Freuen Sie sich auf einen vielfältigen Spielplan mit 20 Neuinszenierungen, darunter eine Uraufführung und zwei Deutsche Erstaufführungen.

Die Eröffnung der neuen Saison feiern wir am 15. September mit der Deutschen Erstaufführung »Das Wasser im Meer« von Christoph Nußbaumeder. Darin verkündet Familienpatriarch Stefan an seinem 80. Geburtstag, sterben zu wollen – in seiner alten Heimat, dem früheren Sudetenland … Flucht und Heimat, diese brisanten Themen unserer Zeit, werden wie durch ein Prisma schillernd aufgefächert. Weitere Höhepunkte der Saison sind u. a. die großen Bühnenpremieren »Unterleuten« nach dem Bestseller-Roman von Juli Zeh und »Prinz Friedrich von Homburg« von Heinrich von Kleist, das großangelegte Mythen-Projekt »Europa« von Soeren Voima, die Uraufführung des Potsdam-Romans »Skizze eines Sommers« von André Kubiczek und die Deutsche Erstaufführung »Good People (Mittelschichtblues)« des amerikanischen Pulitzerpreisträgers David Lindsay-Abaire.

Die Saison in der Reithalle eröffnen wir mit »Die Netzwelt« von Jennifer Haley, einer packenden detektivischen Erforschung der Verheißungen und Abgründe der virtuellen Welt. Premiere ist am 24. November. Und bereits am 7. September hat mit »Dicke Sternschnuppe« von Julia Penner das erste Stück für Familien und junge Zuschauer Premiere, eine warmherzige Geschichte über drei ungewöhnliche Freunde, die im Zusammenstehen über ihre Ängste hinauswachsen.

Mit dem Projektpreis 2017 wurde die Produktion »Gehen und Bleiben« von Maxi Obexer und Clemens Bechtel ausgezeichnet.
Der Förderkreis des Hans Otto Theaters überreichte die Auszeichnungen im Rahmen einer festlichen Verleihung am 27. April.

Der Schauspieler und Ensembleprotagonist Bernd Geiling wurde mit dem »Potsdamer Theaterpreis – Preis des Förderkreises Hans Otto Theater e. V.« 2017  ausgezeichnet. Mit diesem Preis in Höhe von 3.000 Euro würdigt der Förderkreis des Hans Otto Theaters einen Künstler, der in besonderer Weise zur Ausstrahlung des Hauses beiträgt. Bernd Geiling ist seit 2009 Ensemblemitglied des Hans Otto Theaters und war und ist seither u. a. in Yasmina Rezas »Kunst« und »Drei Mal Leben« (R: Tobias Wellemeyer), in den Uraufführungen »Wellen« von Eduard von Keyserling (R: Barbara Bürk) und »Kirschgarten – Die Rückkehr« von John von Düffel (R: Tobias Wellemeyer), als Polonius in »Hamlet« von William Shakespeare (R: Alexander Nerlich), als Richter in »Terror« von Ferdinand von Schirach (R: Andreas Rehschuh) sowie in Musicals wie »My Fair Lady« (als Higgins) und »La Cage aux Folles« (als Albin) zu erleben.

Darüber hinaus wurde ein mit 500 Euro dotierter Projektpreis an das Theaterprojekt »Gehen und Bleiben« von Maxi Obexer und Clemens Bechtel verliehen. Für diese besondere Produktion hat das Hans Otto Theater Geflüchtete und Migranten, die heute in Potsdam und der Region leben, eingeladen, über »Gehen und Bleiben« zu berichten. Aus Gesprächen mit insgesamt zwölf Beteiligten, die aus Syrien, Israel, Mazedonien, Frankreich, Russland und dem Iran kommen, erarbeiteten die Autorin Maxi Obexer und der Regisseur Clemens Bechtel einen Theaterabend, der auf überraschende, irritierende, heitere und traurige Weise davon erzählt, was es heißt, die Heimat zu verlassen und in der Fremde neu anzufangen. »Gehen und Bleiben« kam im März 2017 zur Premiere und stand mit insgesamt acht ausverkauften Vorstellungen auf dem Spielplan.

Im Rahmen einer festlichen Verleihung am 27. April im Neuen Theater wurden die Preise durch die Vorsitzende des Förderkreises Lea Rosh überreicht. Das Hans Otto Theater und seine Mitarbeiter werden vom Förderkreis seit dessen Gründung 1996 in ideeller und materieller Form unterstützt. In diesem Jahr verleiht der Förderkreis zum zweiten Mal seit 2015 wieder den Theaterpreis.

Lea Rosh, Vorsitzende des Förderkreises Hans Otto Theater e. V.: »Ich habe Bernd Geiling von Anfang an, als er zu uns ins HOT kam, bewundert. Von ihm wusste man sofort, dass er als Schauspieler eine unglaubliche Bandbreite zu bieten hat. Als König Philipp in ›Don Carlos‹ haben wir ihn so großartig gesehen, als ›eiskalten Menschenvernichter‹, der seine eigene Familie opfert, um an der Macht zu bleiben (rbb Kulturradio). Diese Rolle hat er von einem erkrankten Kollegen übernehmen müssen, er hat das in nur vier Tagen schaffen müssen: also lernen, lernen, lernen. Dann haben wir doch alle laut gejubelt, als er uns in ›La Cage aux Folles‹ bezaubert hat, zwei Stunden ununterbrochen auf Stöckelschuhen, dazu hat er gesungen: ›Ich bin, was ich bin‹, besser, schöner, anrührender konnte das niemand singen und spielen – nur Bernd Geiling. Ihm gehört in diesem Jahr unser Theaterpreis, zu recht.«

Tobias Wellemeyer, Intendant des Hans Otto Theaters: »Ich freue mich, dass mit Bernd Geiling ein Künstler geehrt wird, der in seinem vielseitigen und formenreichen Bühnenspiel einen geschärften und humorvollen Blick auf menschliche Widersprüche, weltanschauliche Musikalität und eine sehr verletzliche, augenzwinkernde Herzlichkeit zu vereinen vermag. In den gemeinsamen Theaterarbeiten mit ihm haben mich sein kosmopolitischer Charme und seine schöpferische Intensität stets begeistert und bereichert, seine Art, sehr eigenständig und widerspruchsinteressiert nach den Gedankenkämpfen und Gefühlsbrüchen seiner Figuren zu suchen, oft überaus kritisch und anstrengend unduldsam gegenüber sich selbst. Ich freue mich, dass seine künstlerische Aussage- und Strahlkraft mit dem Potsdamer Theaterpreis ein schönes und bleibendes Feedback bekommt.«

Bernd Geiling, Preisträger des Potsdamer Theaterpreises 2017: »Oscar Wilde hat einmal gesagt: ›Ich spiele so gern Theater, es ist viel realistischer als das Leben.‹ - Ich kann mich diesem Satz nur anschließen. Das hat nichts mit weltfremder Realitätsverweigerung zu tun. Ich glaube, das Theater gibt uns alle Mittel an die Hand, unsere Welt sogar bewusster, in gesteigerter Form wahrzunehmen. Was aber nicht heißt, sie unreflektiert einfach hinzunehmen. Wenn wir in einer Zeit, die die Grundwerte unserer Menschlichkeit dem Hass, der Dummheit und der Verlogenheit ausliefert, aufgeben, von einer besseren Welt zu träumen, verlieren wir alles.«

Pressemitteilung zum Download:
Die Begeisterung hört man nicht, aber man sieht sie: Wenn im Hans Otto Theater die Vorstellungen mit Gebärdensprachdolmetschern zu Ende gehen, wird nicht nur geklatscht, sondern die Hände werden schwungvoll in die Luft gehoben – zum stummen und herzlichen Applaus.

Seit 20 Jahren bietet das Potsdamer Theater regelmäßig Aufführungen mit Übersetzung in Gebärdensprache an (abgekürzt TamiDos), um auch tauben und hörbehinderten Menschen ein Tor zur Theaterkunst zu öffnen. In seiner Kontinuität und innovativen Form ist das Projekt deutschlandweit einzigartig. Mehrmals in der Spielzeit stehen die beiden Dolmetscher Gudrun Hillert und Christian Pflugfelder gemeinsam mit den Schauspielern auf der Bühne und übertragen das Bühnengeschehen simultan – ein Kulturerlebnis, das auch Besucher ohne Hörbeeinträchtigung als eine besondere Bereicherung empfinden.

Zum 20-jährigen Jubiläum dieses Spezialangebots dürfen natürlich die TamiDos-Vorstellungen des großen Weihnachtsmärchens nicht fehlen.  Am 15. und 18. Dezember werden Gudrun Hillert und Christian Pflugfelder das Grimmsche Märchen »Der gestiefelte Kater« live gebärden. »Gerade die jährlich gedolmetschten Vorstellungen des Weihnachtsmärchens sind zu einer festen Tradition geworden und erfreuen sich großer Beliebtheit bei Potsdamer und Berliner Schulen. An diesem Tag nehmen nicht nur mehr als 300 hörbehinderte Kinder auf den Zuschauerstühlen Platz, sondern auch alle anderen – das ist ein inklusives Theatererlebnis für alle«, so Manuela Gerlach, Projektleiterin und Theaterpädagogin am Hans Otto Theater.

Bei der in Potsdam praktizierten innovativen Methode des »Shadow Interpreting« folgen die beiden Übersetzer den Schauspielern wie Schatten und sind aktiver und integraler Teil des Bühnengeschehens. »Dadurch wird gehörlosen Theaterbesuchern die Möglichkeit geboten, das jeweilige Stück genauso wie alle anderen Zuschauer wahrzunehmen. Sie müssen sich nicht – wie leider an anderen Theatern üblich – zwischen dem auf der Bühne stattfindenden Schauspiel und dem neben oder vor der Bühne produzierten gebärdensprachlichen Text entscheiden. Beim »Shadow-Interpreting« wird beides räumlich im Bühnenbild vereint: Die Dolmetscher stehen dort, wo die Handlung stattfindet«, so Christian Pflugfelder.

Das Angebot »TamiDos« gehört seit 1996 fest zum Programm des Hans  Otto Theaters. Es richtet sich an Erwachsene ebenso wie an Kinder und Jugendliche. Die Projektleitung liegt bei der Theaterpädagogin Manuela Gerlach. Die fachliche Beratung und die Verdolmetschung der Vorstellungen erfolgt über die Potsdamer Diplom-Gebärdensprachdolmetscherin Gudrun Hillert und ihrem Kollegen Christian Pflugfelder. Das Projekt wurde 2012 für den »BKM-Preis Kulturelle Bildung« nominiert, der vom Staatsministerium für Kultur und Medien verliehen wird.
Unter dem Titel »Anders als du glaubst …« dreht sich vom 18. Oktober bis 30. November in Potsdam alles um den Dialog zwischen den Religionen und Kulturen. 25 Glaubensgemeinschaften, Bildungsträger, Kultureinrichtungen, Sozialverbände und weitere Organisationen bieten an zahlreichen Orten in Potsdam über 75 Veranstaltungen an – auch das Hans Otto Theater beteiligt sich mit drei Veranstaltungen an dem vielseitigen Programm.

»Refugees‘ Club«
Musik und Begegnungen
Der »Refugees Club« ist ein offener Treffpunkt für Potsdamer und Flüchtlinge: Hier trifft man sich zur lockeren interkulturellen Session, um miteinander ins Gespräch zu kommen, Kunst zu machen, neue Freunde zu finden und zu tanzen. Musiker, Poeten, Künstler, Tänzer, und Schauspieler präsentieren Kurz-Auftritte und kleine Konzerte, erzählen Geschichten, lesen Gedichte, zeigen Filme und bieten allerlei Spontanes. Dieses Mal stehen u. a. religiöse Traditionen der Geflüchteten im Blickpunkt.
Am 24. Oktober, 19:00 Uhr, Hans Otto Theater/ Reithalle Forum
Der Eintritt ist frei.

Vorstellung und Podiumsgespräch
»Geächtet« von Ayad Akhtar
Bissig, pointiert, komisch und abgründig zugleich bringt der amerikanische Autor Ayad Akhtar die großen Themen unserer Zeit auf die Bühne: Identität und Religion, Integration und Rassismus, Gott und Geld. Der Anwalt Amir, ein perfekt integrierter Amerikaner pakistanisch-muslimischer Abstammung, und seine Frau Emily, eine aufstrebende Künstlerin mit christlichem Hintergrund, laden Emilys Galeristen Isaac, er wiederum ist jüdischer Herkunft, und dessen afroamerikanische Frau Jory zur Dinner-Party ein. Als man bei Tisch auf das Thema Religion und Terror zu sprechen kommt, zerbrechen die Fassaden aufgeklärter Toleranz ... Im Anschluss an die Vorstellung gibt es ein Publikumsgespräch mit dem Religionswissenschaftler Dr. Hans-Michael Haußig (Universität Potsdam) und dem Potsdamer Trauma- und Psychotherapeuten Ahmed Al-hafedh.
Am 11. November, 19:30 Uhr, Hans Otto Theater/ Neues Theater

Podiumsdiskussion
»Welches Land wollen wir sein?
Zündstoff Religion: Passt der Islam zur offenen Gesellschaft?«
Wie halten wir es mit der Religion? 57% der Deutschen sehen im Islam eine Bedrohung. Woran liegt das? Warum beschwören Menschen, die sonst wenig mit dem Christentum am Hut haben, die panische Vorstellung vom Untergang des »christlichen Abendlandes«? Wo liegen die Grenzen der Toleranz auf dem Gebiet der Religion? Es diskutieren Petra Bahr von der Konrad-Adenauer-Stiftung, die Autorin Sineb El Masrar (»Muslim Girls«) und Ender Cetin (Vorsitzender der Sehitlik-Moschee in Berlin-Neukölln).
Am 21. November, 19:00 Uhr, Hans Otto Theater/ Reithalle Forum
Der Eintritt ist frei.

Das Hans Otto Theater feiert 2016 Jubiläum auf der Schiffbauergasse

Vor genau zehn Jahren, im September 2006, öffnete sich zur allerersten Mal glanzvoll der Vorhang im frisch erbauten Neuen Theater, dem elegant schwingenden Entwurf des Pritzker-Preisträgers Gottfried Böhm. Heute erarbeitet ein profiliertes 25-köpfiges Schauspielensemble gemeinsam mit renommierten Regisseuren in jährlich über 20 Premieren und vielen weiteren Projekten und Angeboten künstlerische Positionen zur Gegenwart. Rund 640 Veranstaltungen stehen pro Jahr auf dem Spielplan des Hans Otto Theaters mit seinen rund 160 Mitarbeitern.

In einer Festveranstaltung am 30. September feierte das Hans Otto Theater dieses Jubiläum. Das Publikum konnte sich an dem Abend freuen auf den Potsdamer Oberbürgermeister Jann Jakobs als Gastredner, auf vielfältige filmische Reminiszenzen aus der aufregenden Bauphase des Neuen Theaters, auf Stimmen und persönliche Gedanken von Schauspielern, Mitarbeitern und Künstlergästen – und natürlich auf kurzweilige künstlerische Einlagen des Ensembles. Anschließend wurde zum Sektempfang ins Glasfoyer geladen.

Festrede von Intendant Tobias Wellemeyer

28.09.2016

Stellungnahmen

Zum Artikel »Maul halten und spielen! Die Schauspieler des Potsdamer Hans-Otto-Theaters arbeiten in Verhältnissen, die Angst machen«
vom 28. 09. 2016 in der Märkischen Allgemeinen Zeitung
Download der Erwiderung des Intendanten Tobias Wellemeyer
vom 28. 09. 2016
Download der Stellungnahme des Ensembles des Hans Otto Theaters
Autorin Maxi Obexer wurde gemeinsam mit dem Hörspiel-Regisseur Martin Zylka für ihr WDR-Hörspiel »Illegale Helfer« mit dem »Robert-Geisendörfer-Preis 2016« ausgezeichnet. Die Theaterfassung des Stoffes brachte das Hans Otto Theater als Deutsche Erstaufführung im Juni 2016 auf die Bühne. Die Inszenierung von Yvonne Gronberg ist am 24. September erstmalig wieder in der neuen Spielzeit zu sehen.

In der Jurybegründung heißt es: »Gewissensentscheidungen können auch in einem Rechtsstaat dazu führen, dass der Einzelne mit dem Gesetz in Konflikt gerät. Das Hörspiel fordert zum Nachdenken darüber auf, was Mitmenschlichkeit ist und welche Konsequenzen sie haben kann. Ein wichtiges Stück zur richtigen Zeit, das grundlegende moralische Fragen aufwirft.«

Mit dem »Robert-Geisendörfer-Preis«, dem Medienpreis der Evangelischen Kirche, werden jährlich sechs Hörfunk- und Fernsehproduktionen aus allen Sparten ausgezeichnet, die »das persönliche und soziale Verantwortungsbewusstsein stärken, zum guten Miteinander von Einzelnen, Gruppen, Völkern und zur gegenseitigen Achtung der Geschlechter beitragen«, so die Jury. Neben Maxi Obexer wurde 2016 u. a. die Journalistin Dunja Hayali ausgezeichnet.
»Illegale Helfer« von Maxi Obexer
Wieder am 24. September, 19:30 Uhr
Hans Otto Theater/Reithalle
Im Anschluss an die Vorstellung laden wir zum Publikumsgespräch
mit der Autorin und dem Ensemble ein.