Vögel

von Wajdi Mouawad
aus dem Französischen von Uli Menke
Historische Beratung: Natalie Zemon Davis
Es ist die „makellose Harmonie des Zufalls“, die Wahida und Eitan in einer New Yorker Universitätsbibliothek zusammenbringt. Ein Buch aus dem 16. Jahrhundert über einen Grenzgänger zwischen verschiedenen Kulturen wird zum Ursprung ihrer kraftvollen Liebe. Frei wie Vögel fühlen sich die Amerikanerin arabischer Herkunft, die ihre Doktorarbeit schreibt, und der aus Berlin stammende Genetikstudent und Sohn jüdischer Eltern. Aber ihre Beziehung stößt bei Eitans Vater auf strikte Ablehnung. Dessen wütender Hass auf „die Araber“ ist dem jungen Mann ein Rätsel, und er beginnt, seinen familiären Wurzeln nachzugehen. Eitan begleitet Wahida auf einer Forschungsreise nach Israel, um seine ihm unbekannte Großmutter zu treffen, und wird hier bei einem Terroranschlag schwer verletzt. Wahida bewirkt, dass sich seine Eltern und Großeltern im Krankenhaus begegnen. Die Situation fordert alle heraus, sich der Vergangenheit zu stellen, jahrelanges Schweigen zu brechen und die eigene religiöse, kulturelle und nationale Zugehörigkeit neu zu bestimmen.

Der mehrfach ausgezeichnete Autor und Regisseur Wajdi Mouawad, 1968 im Libanon geboren, leitet seit 2016 das Théâtre national de la Colline in Paris. Hier brachte er 2017 „Tous des oiseaux“ in eigener Regie zur Uraufführung.
PREMIERE 24-APR-2020