Homo Empathicus

von Rebekka Kricheldorf
Die Utopie ist eingetreten: Wir befinden uns in einer offenen Gesellschaft der Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit. Es gibt keine Unterteilung mehr in Geschlechter, keine Lohnunterschiede, soziale Ungleichheit oder gewalttätige Sprache. Man nennt sich hier „Musizierendes“, „Ernährendes“, „Sportives“ oder „Hygienespezialisiertes“ und ist nicht ein nach Macht und Nutzenmaximierung strebender Homo oeconomicus, sondern Homo empathicus, mit gesteigerter Fähigkeit zur Empathie. Alle sind rücksichts- und liebevoll. Probleme und negative Emotionen wie Aggressivität, Gewalttätigkeit, Egoismus und Habgier haben keine Chance mehr. Doch wenn die Harmonie einmal ins Wanken gerät, wie bei dem Auftritt „der Wilden“, Eva und Adam, Personen der „alten“ Gesellschaft, die rauchen, streiten und saufen, werden Grenzen dieser Gemeinschaft deutlich.

Rebekka Kricheldorf kreiert eine groteskkomische Gesellschaft der Einheitlichkeit, in der negative Gefühle und Ausbrüche unterdrückt werden. Sie zeigt damit, wie dringend notwendig der Dialog über Haltung, Offenheit und Toleranz ist.
Regie Ulrike Müller Bühne und Video Jan Lehmann Kostüme Saskia Wunsch
PREMIERE 24-OKT-2019 / Koproduktion mit der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF