Bartleby – Ich möchte lieber nicht

Der Schreibgehilfe Bartleby erfüllt seine Kopierarbeit bei einem Juristen mit auffälligem Fleiß. Doch nach und nach schränkt er ohne erkennbaren Grund seine Tätigkeiten ein, verlässt das Büro nicht mehr, antwortet auf Anweisungen immer häufiger: „Ich möchte lieber nicht.“ Herman Melvilles berühmte Figur spricht das aus, was viele von uns öfter sagen möchten, sich aber nicht trauen. Er weiß, was er will bzw. was eben nicht, und so ist er der feste Punkt in einer Welt, die durch ihn aus den scheinbar fest gemeißelten Fugen gerät. Sein Chef durchlebt ein Karussell der Emotionen, vom Gefühl der Verantwortlichkeit bis zur Wut. Es ist keine Frage des Nicht-Könnens oder des Einstehens für einen Gegenentwurf. Bartleby bleibt ein Rätsel und spricht seinen unkonventionellen persönlichen Wunsch zum Erstaunen aller einfach aus. Psychoanalytisch kommt man hier nicht weiter. Gründe für sein Verhalten sind nicht lesbar. Damit ist Bartleby einzigartig in einer Gesellschaft, die Anpassung verlangt, damit das System funktioniert. Vielleicht liegt das Büro seines Arbeitgebers nur zufällig auf der Wall Street. Vielleicht aber auch nicht ... Selten gibt es Figuren, die in ihrer Haltung so standhaft bleiben.
Regie / Recherche Nina de la Parra Recherche Natalie Driemeyer Ausstattung Carla Friedrich
Premiere SA 27-APR-2019

Besetzung