Genie und Verbrechen

von George F. Walker
Deutsch von Frank Heibert
Irgendwo in den Weiten Amerikas steht ein Motel, einst Filmkulisse für Calamity Jane und Quentin Tarantino. Hier treffen verzweifelte Verlierertypen aufeinander, die sich auf ihren kriminellen Wegen verirren. Ihre Versuche, sich irgendwie über Wasser zu halten, gehen immer schief, und das mit anzusehen, ist gleichermaßen zum Lachen wie zum Weinen. Shirley zum Beispiel steht ziemlich weit oben in der Verbrecherhierarchie, ist aber abhängig von Big Boss und zwei unfähigen Ganoven, die nichts auf die Reihe kriegen. Rolly lebt seit 35 Jahren das Leben eines Verbrechers, aber mit Prinzipien! Denn er ist gegen Körperverletzung. Er und sein Sohn Stevie sollten ein Restaurant abfackeln, doch wegen der Prinzipien haben sie nur die Köchin gekidnappt: Amanda. Dummerweise – so stellt sich heraus – ist sie die Tochter von Big Boss. Amanda entkommt und verfolgt unbeirrbar ihr Ziel, frei und unabhängig zu werden. Mit Frauenpower geht’s zur Sache. Amanda übernimmt die Führung der Bande im Motel Gestrandeter und entwickelt einen genialen Plan: ihren verhassten Vater umbringen, dessen Nachfolge antreten, sein kriminelles Reich regieren. Das Ding mit der Gewaltlosigkeit muss ignoriert werden: „Wer schlapp macht, kriegt einen Tritt in die Eier und verliert sein Herz.“

Unter dem Titel „Suburban Motel“ verfasste der kanadische Autor George F. Walker eine sechsteilige Kriminalgroteske. Deren dritter Teil „Genie und Verbrechen“ entstand 1997. Nach dem Screwball-Prinzip sorgen vor allem die wortspielwütigen Dialoge für Spaß und beste Unterhaltung und trotzen dem Desaster, in das die abstruse Story mündet. Das Scheitern der fünf Helden ist tragisch, denn sie scheitern wegen ihrer Nettigkeit, ihrer Gewaltlosigkeit und ihres Mitleids. Nicht Dummheit, sondern Pech verbindet sie. Pech und die Traurigkeit, dass sie nicht gut sein können in der Welt der Armen.
Regie Elina Finkel Bühne & Kostüme Matthias Müller Dramaturgie Carola Gerbert
PREMIERE 7-MAI-2021 / 8-MAI-2021