Der Tod und das Mädchen

Ariel Dorfman
Deutsch von Ulli Stephan und Uwe B. Carstensen
Nachts klopft es an der Tür des Strandhauses, in dem das Ehepaar Paulina Salas und Gerardo Escobar lebt. Es ist der Arzt Roberto Miranda, der ein paar Stunden zuvor Gerardo bei einer Autopanne geholfen hat. Als Paulina seine Stimme hört, glaubt sie in ihm jenen Mann wiederzuerkennen, der sie zur Zeit der Militärdiktatur gefoltert und vergewaltigt hat. Sie sperrt ihn ein, fesselt ihn und verlangt mit vorgehaltener Pistole sein vollständiges Geständnis. Paulinas Mann versucht zu vermitteln. Als Anwalt hat ihn die neue, demokratische Regierung soeben in die Untersuchungskommission zur Aufklärung der Diktaturverbrechen berufen. Er soll Gerechtigkeit herstellen, indem er die Verfolgten befragt und die Verfolger vor Gericht bringt. Dass seine Frau das Recht in die eigenen Hände nehmen will, dass sie dem Vorgehen der Regierung, und damit auch ihm, nicht vertraut, bringt ihn doppelt in Konflikt: mit dem Staat, den er vertritt, und der Frau, die er liebt. Roberto aber beteuert seine Unschuld, und Paulina hat ihren Folterer nie gesehen; sie kennt nur seine Stimme …
Nach dem Militärputsch in Chile 1973 musste Ariel Dorfman das Land verlassen. Sein Stück »Der Tod und das Mädchen« wurde nach der Uraufführung 1991 mit dem »Laurence Olivier Award« ausgezeichnet und 1994 von Roman Polanski verfilmt. Es fragt danach, wie ein Land mit historischer Schuld umgehen kann. Kann jetzt strafbar sein, was zuvor legal war? Lässt sich die Wahrheit im hochemotionalen Prozess zwischen Opfer und Täter ermitteln? Können Reue und Vergebung Schmerz und Tod überwinden? Gibt es Sühne im nationalen Maßstab? Was heilt die Wunden? Dorfmans aufwühlender Politthriller rührt an die Grundfragen jeder Demokratie.

»Opfer, Täter, Wahrheit«

Inszenierung
Bühne / Kostüme
Dramaturgie
Besetzung
Paulina Salas
Gerardo Escobar
Roberto Miranda
Premiere 1. Juni 2017
»Es ist an uns, den Zuschauern, zu entscheiden, welche Haltung wir in diesem Disput zwischen Recht und Rache einnehmen. – Ein dialogintensives Kammerspiel. Gelungen.«
rbb Kulturradio
»Die Energie strahlt aus von Katrin Hauptmann, die zwischen der Sehnsucht nach Ruhe und ihrer Rachsucht einen packenden Ton entwickelt. Christoph Hohmann als vormaliger Folterer indessen zeigt eine schön ausgespielte Hemdsärmeligkeit, bieder und böse, winselnd und wütend – er gibt dem Stück die Farbe des Banalen, hinter der das Monster sich versteckt.«
Märkische Allgemeine Zeitung
»Es geht um Abgründe, um unverzeihbare Schuld und die gleichzeitige Notwendigkeit von Vergebung. Um Opfer und Täter, die aus der politischen Ebene hinaustreten und sich privat, Angesicht zu Angesicht, gegenüber finden. Es geht um die Traumata, die eine Diktatur hinterlässt, Systeme, in denen Menschen verfolgt, gejagt, gefoltert werden. Ariel Dorfman hat dafür eine drastische und damit die einzig richtige Sprache gefunden.«
Potsdamer Neueste Nachrichten
»Philip Mauritz spielt den lavierenden, erkennbar von Ängsten verunsicherten Anwalt. Katrin Hauptmann als Paulina zeigt uns eine überspannte, fahrige, traumatisch verstörte und bis in die Fingerspitzen verkrampfte Frau. Diese erste Rolle für die Anfang-Dreißigjährige aus der Steiermark, die jetzt fest im Potsdamer Theater ist, ist wirklich ein Ereignis.«
rbb Kulturradio
September 2017 Samstag 30.
Oktober 2017 Freitag 20.
Samstag, 30.09.2017
19:30 – 21:20
http://www.hansottotheater.de/
Hans Otto Theater
Schiffbauergasse 11, 14467 Potsdam
Reithalle
23 €
Freitag, 20.10.2017
19:30 – 21:20
http://www.hansottotheater.de/
Hans Otto Theater
Schiffbauergasse 11, 14467 Potsdam
Reithalle
23 €