Auferstehung

Leo Tolstoi
Erstaufführung der Bühnenfassung von Remsi Al Khalisi und Tobias Wellemeyer
»Du musst dein Leben ändern!«, durchzuckt es den reichen Fürsten Nechliudow bei einer Gerichtsverhandlung, der er als Geschworener beisitzt. In der wegen Mordes angeklagten Prostituierten Maslowa muss er seine frühere Geliebte erkennen, die er einst auf dem Gut seiner Tanten verführt und dann verlassen hat. Obwohl sie unschuldig ist, kann er nicht verhindern, dass sie zu vier Jahren Zwangsarbeit in Sibirien verurteilt wird. Von tiefem Schuldgefühl erfasst, beschließt er, ihr die Ehe anzubieten und in die Verbannung zu folgen. Je tiefer er in die Welt des Strafvollzuges eintaucht, desto mehr Elend und Ungerechtigkeit muss er auch in der Gesellschaft als Ganzes erkennen. Seine angestammte Umgebung, die Welt der Reichen und Mächtigen, reagiert spätestens dann mit argwöhnischem Unverständnis auf sein Engagement, als er den Großteil seines Grundbesitzes den Bauern schenkt, die den Boden bearbeiten. In Begegnungen mit Verbrechern, unschuldig Inhaftierten, Anarchisten, Revolutionären fragt er nach den Grundsätzen »tätiger Nächstenliebe« ‒ ist es fundamentalistischer Irrsinn, der ihn umtreibt, oder die Suche nach dem »rechten Weg«? Ist es Eitelkeit oder echte »Zerknirschung«? Und hat er einen Sinn dafür, dass sich auch in Maslowas Seele Veränderungen vollziehen?
Der große russische Schriftsteller Leo Tolstoi hat mit »Auferstehung« einen Roman von moralischer Wucht und leidenschaftlicher Menschlichkeit geschrieben. »Wie sollen wir leben?«, war eine große Frage seiner Zeit. »Wie verhalten wir uns zu den sozialen und moralischen Verwerfungen?«, ist eine Frage, die Tolstois Werk auch heute noch in uns aufwirft.

Mit freundlicher Unterstützung
Inszenierung
Besetzung
Katharina Maslowa, Prostituierte
Fürst Dmitrij Iwanowitsch Nechliudow
BEI GERICHT
Baklaschow, Geschworener
Gerasimowitsch, Geschworener
Richter
Staatsanwalt
Wachhabender
Botschkowa, Zimmermädchen
Kartinkin, Hoteldiener
Kitajewa, Bordellbesitzerin
Smelkows Leiche
Nechliudows Tante aus Panowo
Priester
IM GEFÄNGNIS
Korobliowa, Schnapshändlerin
Fedosia, Gefangene
Taras, ihr Mann
Menschow, Häftling
1. Häftling
2. Häftling
MOSKAU
Agrafena Petrowa, Angestellte bei Nechliudow
Missi Kortschagina
Geliebte Nechliudows
Krankenschwester
Fürstin Sophia Wassiljewna Kortschagina
Fanarin, Anwalt
Maslennikow, Vizegouverneur
Anna Ignatjewna, seine Frau
Tschernow, Gast
Madame Beliawskaja, Freundin von Missi / Natalia Iwanowna, Nechliudows Schwester
Ragoshinskij, Nechliudows Schwager
AUF DEM LAND
Verwalter
Alter Bauer
Frau eines Bauern
Bäuerin
Bauer 1
Bauer 2
Bauer 3
Schwangere
PETERSBURG
Katharina Iwanowna, Nechliudows Tante
Mariette, Gattin eines Ministers
Alter General
BEI DEN POLITISCHEN
Wera Bogoduchowskaja
Wladimir Simonsohn
Nowodworow
Nabatow
Statistin
Birgit Rachut
Premiere 27. März 2015
»Star des Abends ist das Ensemble: Die Schauspieler schaffen ein großes Gesellschaftspanorama. Ein überraschend aktueller Theaterabend.«
Süddeutsche Zeitung
»Regisseur Tobias Wellemeyer ist eine atmosphärisch enorm dichte Inszenierung gelungen. Ein intensiver, sehr ästhetischer zeitloser Theaterabend!«
rbb Inforadio
»Meike Finck verkörpert mit beeindruckender Stringenz eine vom Leben gezeichnete Frau, die nie verzweifelt. Wie eine Mutter Courage schlägt sie sich durchs Leben.«
Märkische Allgemeine Zeitung
»Tobias Wellemeyers Potsdamer Inszenierung treibt Tolstois aktuelle Zeitgenossenschaft sogar noch ein bisschen weiter und macht die ›Passlosen‹ aus der Roman-Vorlage zu Flüchtlingen wie im Container aus Lampedusa. Tolstois autobiografisch geprägten Roman-Motive, mit der Frage ›Wie soll ich leben?‹ sind ganz und gar von Hier und Heute. Und es spricht Wellemeyers Potsdamer Truppe, dass sich nicht nur die Protagonisten einprägen: Meike Finck als toughe, selbstgewisse Hure und Wolfgang Vogler als ewig suchender Engel der Erniedrigten und Beleidigten. Aber eben auch mit Jon-Kaare Koppe und Christoph Hohmann, Franziska Hayner und Marianna Linden, letztlich mit allen gelingt das große moralische Panorama, das ganz von Tolstoi ist. Auch uns Zeitgenossen aber ist es erstaunlich vertraut.«
Die Deutsche Bühne