28.04.2017

Bernd Geiling mit dem Potsdamer Theaterpreis 2017 ausgezeichnet

Mit dem Projektpreis 2017 wurde die Produktion »Gehen und Bleiben« von Maxi Obexer und Clemens Bechtel ausgezeichnet.
Der Förderkreis des Hans Otto Theaters überreichte die Auszeichnungen im Rahmen einer festlichen Verleihung am 27. April.

Der Schauspieler und Ensembleprotagonist Bernd Geiling wurde mit dem »Potsdamer Theaterpreis – Preis des Förderkreises Hans Otto Theater e. V.« 2017  ausgezeichnet. Mit diesem Preis in Höhe von 3.000 Euro würdigt der Förderkreis des Hans Otto Theaters einen Künstler, der in besonderer Weise zur Ausstrahlung des Hauses beiträgt. Bernd Geiling ist seit 2009 Ensemblemitglied des Hans Otto Theaters und war und ist seither u. a. in Yasmina Rezas »Kunst« und »Drei Mal Leben« (R: Tobias Wellemeyer), in den Uraufführungen »Wellen« von Eduard von Keyserling (R: Barbara Bürk) und »Kirschgarten – Die Rückkehr« von John von Düffel (R: Tobias Wellemeyer), als Polonius in »Hamlet« von William Shakespeare (R: Alexander Nerlich), als Richter in »Terror« von Ferdinand von Schirach (R: Andreas Rehschuh) sowie in Musicals wie »My Fair Lady« (als Higgins) und »La Cage aux Folles« (als Albin) zu erleben.

Darüber hinaus wurde ein mit 500 Euro dotierter Projektpreis an das Theaterprojekt »Gehen und Bleiben« von Maxi Obexer und Clemens Bechtel verliehen. Für diese besondere Produktion hat das Hans Otto Theater Geflüchtete und Migranten, die heute in Potsdam und der Region leben, eingeladen, über »Gehen und Bleiben« zu berichten. Aus Gesprächen mit insgesamt zwölf Beteiligten, die aus Syrien, Israel, Mazedonien, Frankreich, Russland und dem Iran kommen, erarbeiteten die Autorin Maxi Obexer und der Regisseur Clemens Bechtel einen Theaterabend, der auf überraschende, irritierende, heitere und traurige Weise davon erzählt, was es heißt, die Heimat zu verlassen und in der Fremde neu anzufangen. »Gehen und Bleiben« kam im März 2017 zur Premiere und stand mit insgesamt acht ausverkauften Vorstellungen auf dem Spielplan.

Im Rahmen einer festlichen Verleihung am 27. April im Neuen Theater wurden die Preise durch die Vorsitzende des Förderkreises Lea Rosh überreicht. Das Hans Otto Theater und seine Mitarbeiter werden vom Förderkreis seit dessen Gründung 1996 in ideeller und materieller Form unterstützt. In diesem Jahr verleiht der Förderkreis zum zweiten Mal seit 2015 wieder den Theaterpreis.

Lea Rosh, Vorsitzende des Förderkreises Hans Otto Theater e. V.: »Ich habe Bernd Geiling von Anfang an, als er zu uns ins HOT kam, bewundert. Von ihm wusste man sofort, dass er als Schauspieler eine unglaubliche Bandbreite zu bieten hat. Als König Philipp in ›Don Carlos‹ haben wir ihn so großartig gesehen, als ›eiskalten Menschenvernichter‹, der seine eigene Familie opfert, um an der Macht zu bleiben (rbb Kulturradio). Diese Rolle hat er von einem erkrankten Kollegen übernehmen müssen, er hat das in nur vier Tagen schaffen müssen: also lernen, lernen, lernen. Dann haben wir doch alle laut gejubelt, als er uns in ›La Cage aux Folles‹ bezaubert hat, zwei Stunden ununterbrochen auf Stöckelschuhen, dazu hat er gesungen: ›Ich bin, was ich bin‹, besser, schöner, anrührender konnte das niemand singen und spielen – nur Bernd Geiling. Ihm gehört in diesem Jahr unser Theaterpreis, zu recht.«

Tobias Wellemeyer, Intendant des Hans Otto Theaters: »Ich freue mich, dass mit Bernd Geiling ein Künstler geehrt wird, der in seinem vielseitigen und formenreichen Bühnenspiel einen geschärften und humorvollen Blick auf menschliche Widersprüche, weltanschauliche Musikalität und eine sehr verletzliche, augenzwinkernde Herzlichkeit zu vereinen vermag. In den gemeinsamen Theaterarbeiten mit ihm haben mich sein kosmopolitischer Charme und seine schöpferische Intensität stets begeistert und bereichert, seine Art, sehr eigenständig und widerspruchsinteressiert nach den Gedankenkämpfen und Gefühlsbrüchen seiner Figuren zu suchen, oft überaus kritisch und anstrengend unduldsam gegenüber sich selbst. Ich freue mich, dass seine künstlerische Aussage- und Strahlkraft mit dem Potsdamer Theaterpreis ein schönes und bleibendes Feedback bekommt.«

Bernd Geiling, Preisträger des Potsdamer Theaterpreises 2017: »Oscar Wilde hat einmal gesagt: ›Ich spiele so gern Theater, es ist viel realistischer als das Leben.‹ - Ich kann mich diesem Satz nur anschließen. Das hat nichts mit weltfremder Realitätsverweigerung zu tun. Ich glaube, das Theater gibt uns alle Mittel an die Hand, unsere Welt sogar bewusster, in gesteigerter Form wahrzunehmen. Was aber nicht heißt, sie unreflektiert einfach hinzunehmen. Wenn wir in einer Zeit, die die Grundwerte unserer Menschlichkeit dem Hass, der Dummheit und der Verlogenheit ausliefert, aufgeben, von einer besseren Welt zu träumen, verlieren wir alles.«

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