13.12.2016

20 Jahre Theater mit Gebärdensprache

Die Begeisterung hört man nicht, aber man sieht sie: Wenn im Hans Otto Theater die Vorstellungen mit Gebärdensprachdolmetschern zu Ende gehen, wird nicht nur geklatscht, sondern die Hände werden schwungvoll in die Luft gehoben – zum stummen und herzlichen Applaus.

Seit 20 Jahren bietet das Potsdamer Theater regelmäßig Aufführungen mit Übersetzung in Gebärdensprache an (abgekürzt TamiDos), um auch tauben und hörbehinderten Menschen ein Tor zur Theaterkunst zu öffnen. In seiner Kontinuität und innovativen Form ist das Projekt deutschlandweit einzigartig. Mehrmals in der Spielzeit stehen die beiden Dolmetscher Gudrun Hillert und Christian Pflugfelder gemeinsam mit den Schauspielern auf der Bühne und übertragen das Bühnengeschehen simultan – ein Kulturerlebnis, das auch Besucher ohne Hörbeeinträchtigung als eine besondere Bereicherung empfinden.

Zum 20-jährigen Jubiläum dieses Spezialangebots dürfen natürlich die TamiDos-Vorstellungen des großen Weihnachtsmärchens nicht fehlen.  Am 15. und 18. Dezember werden Gudrun Hillert und Christian Pflugfelder das Grimmsche Märchen »Der gestiefelte Kater« live gebärden. »Gerade die jährlich gedolmetschten Vorstellungen des Weihnachtsmärchens sind zu einer festen Tradition geworden und erfreuen sich großer Beliebtheit bei Potsdamer und Berliner Schulen. An diesem Tag nehmen nicht nur mehr als 300 hörbehinderte Kinder auf den Zuschauerstühlen Platz, sondern auch alle anderen – das ist ein inklusives Theatererlebnis für alle«, so Manuela Gerlach, Projektleiterin und Theaterpädagogin am Hans Otto Theater.

Bei der in Potsdam praktizierten innovativen Methode des »Shadow Interpreting« folgen die beiden Übersetzer den Schauspielern wie Schatten und sind aktiver und integraler Teil des Bühnengeschehens. »Dadurch wird gehörlosen Theaterbesuchern die Möglichkeit geboten, das jeweilige Stück genauso wie alle anderen Zuschauer wahrzunehmen. Sie müssen sich nicht – wie leider an anderen Theatern üblich – zwischen dem auf der Bühne stattfindenden Schauspiel und dem neben oder vor der Bühne produzierten gebärdensprachlichen Text entscheiden. Beim »Shadow-Interpreting« wird beides räumlich im Bühnenbild vereint: Die Dolmetscher stehen dort, wo die Handlung stattfindet«, so Christian Pflugfelder.

Das Angebot »TamiDos« gehört seit 1996 fest zum Programm des Hans  Otto Theaters. Es richtet sich an Erwachsene ebenso wie an Kinder und Jugendliche. Die Projektleitung liegt bei der Theaterpädagogin Manuela Gerlach. Die fachliche Beratung und die Verdolmetschung der Vorstellungen erfolgt über die Potsdamer Diplom-Gebärdensprachdolmetscherin Gudrun Hillert und ihrem Kollegen Christian Pflugfelder. Das Projekt wurde 2012 für den »BKM-Preis Kulturelle Bildung« nominiert, der vom Staatsministerium für Kultur und Medien verliehen wird.