Dr. Wilhelm Neufeldt

Beisitzer

Wer so hautnah wie ich die nicht immer glückliche aber umso spannendere Geschichte des Hans Otto Theaters von 1990 bis 2005 miterlebt und auch aus dem Brandenburgischen Kulturministerium mit gestaltet hat, der will nicht nur aus der Ferne, sondern möglichst hautnah die weitere Entwicklung verfolgen, und wo es gewünscht wird, seine Erfahrungen einbringen.
 In diesem zurückliegenden Zeitraum kämpften fünf Intendanten für das in der „Blechbüchse“ am Alten Markt provisorisch untergebrachte Theater. Spartenschließung, Geldknappheit, neue Kooperationen und eine nicht enden wollende Diskussion um den „richtigen“ Standort in Potsdam belasteten die Arbeit.
 Mit Uwe Eric Laufenberg kehrte erstmals Ruhe ein. Er gewann ein breites Publikum zurück und führte es mit viel Phantasie in das Neue Theater am Tiefen See. Mit seinem Weggang nach Köln begann erneut eine neue Ära.
 Sein Nachfolger Tobias Wellemeyer wollte es gleich wissen und eröffnete seine erste Spielzeit mit 29 Neuproduktionen. Nicht nur sein neues Ensemble, sondern auch das Potsdamer Publikum führte er an die Grenzen der Belastbarkeit und Aufnahmefähigkeit. Eine heiße Diskussion entbrannte über das angemessene Angebot und die berechtigten Wünsche des Potsdamer Publikums.
 Heute sind Tobias Wellemeyer und sein Ensemble in Potsdam angekommen. Sie haben sich mit dem Potsdamer Publikum vertraut gemacht und kommen seinen Wünschen und Erwartungen geschickt entgegen, ohne sich ihm anzubiedern. Einige Aufführungen, dazu gehört vor allem die Inszenierung „Der Turm“ von Uwe Tellkamp, haben bereits Theatergeschichte geschrieben.
 Es ist nur zu hoffen, dass die Stadt die herausragende Leistung von Tobias Wellemeyer in den zurückliegenden Jahren angemessen würdigt und ihm und dem Ensemble die Chance gibt, das Potsdamer Publikum mit weiteren interessanten und aufwühlenden Aufführungen zu beglücken.
 Was kann es Schöneres geben, als die Arbeit des Hans Otto Theaters unter Tobias Wellemeyer zu begleiten und wenn möglich, durch Rat und Tat zu unterstützen.

Dr. Wilhelm Neufeldt, Leiter der Kulturabteilung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg a. D.