Hamburg
22. bis 24. April 2016

In diesem Jahr trafen sich Freunde des Hans Otto Theaters zu einer Wochenendreise in die wunderschöne Hanse- und Hafenstadt Hamburg. Geplant war eine Reise vom 23. bis zum 24. April 2016. Das Angebot einer Aufführung von »Tristan und Isolde« von Richard Wagner unter der Stabführung von Kent Nagano in der Hamburger Staatsoper am Freitag nahmen aber fast alle Reiseteilnehmer wahr, erlebten allerdings wegen eines VERDI-Streiks nur eine konzertante Aufführung – ohne die inzwischen zum Kult gewordene Inszenierung von Ruth Berghaus.
Während die Sänger (Steven Gould, Ricarda Merbeth, Lioba Braun und Werner Van Mechelen) die ersten beiden Akte sehr gut sangen, aber vergaßen, den Figuren etwas Leben einzuhauchen, zeigten Tristan und Kurwenal in »ihrem« 3. Akt, wie gut man auch ohne Bühnenbild spielen kann.
Den Abend beschlossen wir im Restaurant »Opera« gegenüber der Oper. Bei der Diskussion über die Aufführung konnten wir feststellen, dass nicht nur die Wagnererfahrenen Hörer von diesem Abend begeistert waren, sondern dass auch die meisten der »Ersthörer« sich nicht mit Schrecken abgewendet haben.
Den Samstag begannen wir mit einem Spaziergang durch eine der Wohnstuben Hamburgs vom Gänsemarkt über den Jungfernstieg, die Alsterarkaden, den Rathausmarkt und den Ballindamm zur Hamburger Kunsthalle. Das Wetter war uns hold und die Hamburger Innenstadt erstrahlte bei Sonnenschein in voller Schönheit.
In der Kunsthalle besuchten wir eine Ausstellung von Wilhelm Eckersberg, dem bedeutendsten dänischen Maler der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, für viele von uns eine Erstbegegnung mit diesem Maler. Wir waren überrascht über die Entwicklung seiner Gemälde über römische Gebäudeansichten, Historiengemälde, Marinemalerei, Portraits sowie Akt- und Genredarstellungen. Dabei wirkte manches so klar wie eine Fotografie.
Nach einer Mittagspause im Restaurant der Kunsthalle »The Cube« ging es weiter zu einem Stadtrundgang – inzwischen nicht mehr bei Sonnenschein sondern bei Regen- und Schneeschauern. Der sehr kompetente Führer zeigte uns die im letzten Jahr zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannten Backstein-Kontorhäuser (Meßberghof, Chilehaus und Sprinkenhof), ging mit uns weiter durch die ebenfalls zum Weltkulturerbe gehörende Speicherstadt zur Hafen-City, dem derzeit größten Stadtentwicklungsprojekt Europas, und zur Elbphilharmonie.
Vor dem Besuch der Aufführung »Die Stunde da wir nichts voneinander wussten« von Peter Handke im Thalia-Theater blieb nur wenig Zeit zur freien Verfügung. Es gab vor vielen Jahren eine sehr gute Aufführung in der Regie von Luc Bondy an der Berliner Schaubühne, die mehrere von uns kannten.
Im Thalia-Theater wurden aus gegebenem Anlass die politischen Akzente verstärkt. Es wird in der gut 2-stündigen Aufführung kein Wort gesprochen, was den Abend für den einen oder anderen Teilnehmer etwas schwierig machte. Nicht nur uns hat die Aufführung aber sehr gut gefallen.
Für den Abschluss des Abends hatten wir ein altes, gut-bürgerliches Lokal (Gasthaus an der Alster) ausgesucht, das wir natürlich aus unserer langen Hamburg-Zeit kennen, hatten eine schöne Ecke für uns allein, konnten ungehindert über den Abend und anderes diskutieren und uns an der außergewöhnlich netten Bedienung erfreuen.
Am Sonntag ging es dann leider mit Schnee, Regen und Kälte weiter. Um 11 Uhr trafen wir uns an den Landungsbrücken 10, machten mit einer Barkasse der Maritime Circle Line eine Hafenrundfahrt mit den Stationen Elbinsel-Wilhelmsburg, Ballinstadt (Auswanderermuseum), Hafenmuseum, Traditionsschiffhafen, Elbphilharmonie, Speicherstadt und Cap San Diego. Die Möglichkeit der Unterbrechung der Fahrt und Wiedereinstieg in die nachfolgende Barkasse nahm keiner wahr. Bei dem Wetter war es dann doch auf dem Schiff gemütlicher.
Der zweite Hamburger Theaterbesuch führte uns nachmittags in das Deutsche Schauspielhaus. Die Aufführung der »Jungfrau von Orléans« war nun wirklich für fast alle eine herbe Enttäuschung: Schwamm drüber! Der einzige Trost war, dass man das größte Schauspielhaus Deutschlands mit 1200 Plätzen, eröffnet 1900, mit vielen Skulpturen, Wand- und Deckengemälden von innen betrachten konnte.
Vor der Abfahrt mit Zug oder Auto nach Berlin nahmen wir unser Hamburger Abschiedsmahl im »Dim Cum House«, einem chinesischen Restaurant neben dem Schauspielhaus ein, wo uns das Personal nach einem Hinweis auf die Abfahrtszeit des Zuges schnell und nett bediente.
Es bleibt unsererseits nur noch der Hinweis, dass wir Hamburg – die Stadt, die sechs Jahrzehnte unsere Heimat war – immer noch als schönste Stadt Deutschlands lieben, leider konnten wir in der kurzen Zeit nicht mehr schöne Stellen zeigen. Nach Berlin sind wir gezogen, weil die Stadt nach der Wende so aufregend war und das kulturelle Angebot mit drei Opernhäusern, vielen Orchestern und noch mehr Theatern unserer Lebensweise so entgegenkommt.

Text: Etta und Rolf Timm
Foto: Olaf Lemke