Lea Rosh

Vorsitzende

Potsdam war schon immer in meinen Vorstellungen ein wunderbarer, anziehender Ort, ein Ort meiner Sehnsucht. Wir Westberliner konnte ja nicht so einfach hinfahren. Und Sanssouci war allemal ein Sehnsuchtsziel: dieses wunderbare, elegante Schloss, hoch über einen Glasberg in die Landschaft geschmiegt. Welch eine geniale Idee im 18. Jahrhundert, in Preußen Wein und Feigen hinter Glas reifen zu lassen!
 Dann fiel die Mauer. Und wir fuhren sofort nach Potsdam. Und weiter nach Sanssouci. Und wieder zurück nach Potsdam. Und kehrten in dem ersten italienischen Restaurant ein, das auf dem Weg von Berlin nach Potsdam in einer wunderbaren alten Villa zur Rast einlud. Was war schon Berlin, Berlin war weit weg, wir entdeckten Potsdam. Und waren verliebt in dieses Potsdam, das ja rasend schnell die schönsten Stadtvillen wieder herrichtete und auf unserer Strecke lauter Kleinode präsentierte.
 Als mich Uwe Eric Laufenberg, vormaliger Intendant des Hans Otto Theaters, fragte, ob ich den Förderkreis des Theaters übernehmen würde, sagte ich sofort zu. Meine Bedingung: der Vorstand müsse seinem Vorschlag einstimmig zustimmen. Wir kannten uns vom Westberliner Gorki-Theater. Er hatte dort inszeniert, ich leitete den Förderkreis. Der Vorstand stimmte zu, ich ging also nach Potsdam, zum Hans Otto Theater. Das war für mich auch ein politisches Bekenntnis. Ich wusste ja, was für ein tapferer, unbeugsamer Kämpfer dieser Hans Otto gewesen war, ich wusste ja, auf welche bestialische Weise die Nazis ihn gefoltert und dann in den Tod gehetzt hatten.
 Ich freute mich auf die neue Aufgabe und versuchte, die stagnierenden Besucherzahlen durch Besucher aus Berlin aufzufrischen. Das gelang. Wir versuchen das bis heute. Und viele Besucher – aus Potsdam, aus Brandenburg und aus Berlin – kommen, weil der Spielplan des jetzigen Intendanten Tobias Wellemeyer so klug durchmischt ist: klassich kommt einiges daher, politisch ist vieles, unterhaltsam aber auch. Und das Ensemble, das er in den nunmehr 5 Jahren seiner Amtsführung aufgebaut hat, ist so exzellent, dass die Premierenbesuche mit den anschließenden Premierenfeiern und Diskussionen zum jeweiligen Stück und zur Aufführung, zu denen alle Besucher eingeladen sind, für uns alle, die Theaterinteressierten, zu einer wirklichen Bereicherung unseres Theaterlebens geworden ist. Ich bin richtig gern in Potsdam, im Hans Otto Theater.

Lea Rosh, Publizistin und Direktorin a. D., August 2015